Donnerstag, 8. Juli 2010

Klein und fein, aber nicht nur zur, sondern... Die Sache 2010

'Der Inbegriff der Kunst ist ein graduiertes Glas. Jede Zeit gießt ein bestimmtes Quantum hinein (…).'
El Lissitzky in: K. und Pangeometrie, 1925.

Die Künstler Arne Eberhardt, Daniel Koval, Kyrill Koval und Jürgen Stollhans haben sich von den Theorien und Werken des Multitalents El Lissitzky inspirieren lassen und präsentieren bis zum 23. Juli Typographie, Objekte und Fotografien im Foyer der 'Schilling Architekten' in Köln.

Namensgebend für das Projekt ist die Anfang der 1920er Jahre erschienene Zeitschrift
'Gegenstand' oder besser 'Sache', denn so lautet die genauere Übersetzung von El Lissitzky und Ilja Erenburg. Die Zeitschrift sollte der Kommunikation der Avantgarde in Europa dienen, besonders zwischen Bauhaus und Konstruktivisten.

Nein, hierbei handelt es sich nicht um die legendäre Punkplatte der frühen 1980er, sondern ein Werk von Jürgen Stollhans (O.T., 2010, Legosteine, 60cm x 60cm)
© Jürgen Stollhans, Kyrill Koval (Foto)

Die vier in Köln gezeigten Positionen zeigen, dass
Lissitzkys Ideen über die Wechselwirkung zwischen Zeit, Gegenstand und Raum, wie sie sich u.a. in der Zeitschrift 'Die Sache' manifestierten, ihre Kraft auch aus heutiger Sicht nicht verloren haben.

Daniel Kovals ornamentale Arbeit 'Isometrie' (2010, Folienschnitt auf Glas, 260cm x 270cm) bildet eine Brücke zwischen Innen- und Aussenraum. Das Sitzobjekt dagegen heisst 'Prototype Nr. 4' (2010, Schichtholz, GFK, 80cm x 43cm x 55cm) und wurde von Arne Eberhardt geschaffen. © Daniel Koval, Arne Eberhardt, Kyrill Koval (Foto)

Das Ausstellungsprojekt 'Die Sache' möchte die Werksynthese des Bauhauses in einer neuen Fassung aufleben lassen. In diesem Sinne haben sich die Künstler vereint, um mit den jeweils eigenen Mitteln auf die ehemals revolutionären Gestaltungs- und Formtheorien zu reagieren.

Gemeinsam mit dem Raum


Es war also ein Experiment, ein Workshop und nur die während diesem Projekt entstandenen Arbeiten werden jetzt im wunderbar schlichten Ausstellungsraum des Architektenhauses ausgestellt. Dabei handelt es sich um eine sehr stimmige Konstellation. Die Künstler lassen den aus Sichtbeton und Glass gebildeten Raum eine aktive Rolle in der Interaktion zwischen den ausgestellten Positionen spielen.


Jürgen Stollhans verweist mit seiner Arbeit ('O.T.', 2010, Druck auf Nessel, 2-teilig, 60cm x 480cm) sicher nicht zu unrecht auf Parallelen zur Pop-Art. Daniel Kovals 'Wohnungsanzeige' (2008, Digitalprint auf Kapa, Maße variabel) dagegen erinnert deutlich an das Werbedesign des frühen 20. Jh. und die Botschaft lässt schmunzeln.
© Daniel Koval, Jürgen Stollhans, Kyrill Koval (Foto)

Daniel Kovals 'Wohnungsanzeige' (2008, Digitalprint auf Kapa) im Detail © Daniel Koval

Das Nachdenken über den Stellenwert und die Wirkung des Objektes in heutiger Kunst nach der Pop-Art, der Subversion der 1980er und der Renaissance narrativer Konzepte stehen im Zentrum der Ausstellung.

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Hinzu kommt die Reflektion über Materialen und Techniken, die dem Bauhaus noch nicht zugänglich waren. Und wie funktionierte eigentlich der Austausch von Ideen und Arbeitsweisen der Avantgardisten zu Beginn der 1920er Jahre? Auch solche Fragen sind für das Projekt von Bedeutung.



'Im Fluss der Formen gibt es verbindende Gesetze, und die Meister der Neuzeit fürchten nicht etwa, wie erstarrte Formen zu beleben sind, sondern die ewigen Gesetze der Klarheit, der Ökonomie, der Gesetzmäßigkeit.'
El Lissitzky im Einführungsheft der Zeitschrift 'Gegenstand' (Sache) 1922.


Laut Presserklärung sind die wichtigsten Thesen dieser kleinen aber feinen Ausstellung die Folgenden:

- Kunst bedeutet nichts anderes als das Schaffen neuer 'Gegenstände' also das Schaffen des Gegenwärtigen in der Gegenwart.
- Kunst ist nicht da um das Leben zu schmücken, sondern um es zu organisieren.
- Ideen entspringen der Industrie, dem Erfindertum, Verkehr, Reklame, Zeitungssprache etc.
- Objekte sind nicht unbedingt für den Konsum erschaffen.

- Inspirationen für neue Objekte werden auf der Strasse, im urbanen Raum gefunden.

Fazit: Das Ausstellungsprojekt bildet eine interessante, sachliche und zum Teil kritische Referenz zu Kunst und Design des Bauhauses sowie des Konstruktivismus. Es ist der gelungene Versuch einer 'modernen Auflage' der noch lange nicht veralteten Avantgarde des frühen 20. Jahrunderts.

Service: noch bis zum 23. Juli
Öffnungszeiten: Mo - Fr: 11 - 18 Uhr
Eintritt frei!

Schilling Architekten
Gereonswall 75
50670 Köln
Führung: nach Vereinbarung unter
0221 51090230

Kommentare:

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