Mittwoch, 5. Juli 2017

documenta - Start am unterirdischen Kulturbahnhof

Welcome in Kassel - hier, am in Kürze nicht mehr existenten unterirdischen Bahnhof soll die Exkursion, die Entdeckung der documenta 14 beginnen.

Let's go underground... Der Künstlerische Leiter Adam Szymczyk schlägt einen Parcours für den Besuch der documenta 14 in Kassel vor. Nicht nur wenn man um die Bedeutung des heutigen Kulturbahnhofs weiß, von dessen großer Zeit die herrlichen Bali-Kinos noch immer zeugen, leuchtet dies ein. Zwar hat man Probleme, sein Gepäck hier irgendwo zu verstauen, aber mit Humor kommt man weiter...

Also Szymczyks Parcours beginnt hier, am Kulturbahnhof, einer Ikone der 1950er und 1960er Jahre in Kassel. Zeiten, in denen die (Kunst-)Welt hier ankam - mit dem Zug. Auch fernab von der documenta waren hier und in den mondänen Hotels um die Ecke die Kinostars zu Gast. Filmstars reisten zu den Deutschlandpremieren ihrer jüngsten Produktionen hier an. Auch die meisten Gastarbeiter dürften hier zunächst angekommen sein...

Bedenkt man, was Szymczyk zu Beginn in Kassel im Rahmen seiner Einleitung im Jahre 2013, seiner ersten, öffentlichen Vorstellung des 'learning from Athens' Konzeptes sagte, ist dies eine konsequente Entscheidung. Kassel ist eben nicht nur der inzwischen so begehrte Vordere Westen oder die verstaubte, aber noch immer wohlhabende Wilhelmshöhe und der Herkules...


100% Kassel, der Charme der 1950er, 1960er und späten 1970er, teils marode, teils sanierte Bauten, viele Baustellen und Verkehr, der Fußgänger gern in den Untergrund schickt. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Die Stadt verabschiedet sich zunehmend sichtbar von ihrem lange gültigen Zonenrandgebiet-Mauerblümchen-Klischee und boomt. Immobilienhaie haben das schon Jahren erkannt. Hier am rechten Rand dieser Aufnahme der Zugangcontainer, also ab in den Untergrund.

Hier den Startpunkt zu setzen, an einem geisterhaften Bahnhof, inmitten von Spielhalle, Burgerking und Handwerkskammer ist ein interessantes, kluges Statement. Statt wie Jonathan Barofskys 'man walking to the sky', ein von vielen Bürgern der Stadt als Himmelsstürmer geliebtes Überbleibsel der documenta IX von Jan Hoet, gehen wir in den Untergrund.

Schon der Eingang mutet seltsam an. Über den ehemaligen Eingang zum unterirdischen Bahnhof auf dem Vorplatz des heutigen Kulturbahnhofs haben die documenta-Macher einen handelsüblichen Container gestellt. Keine Farbe, kein Kaschieren - ein ehrliches Statement. Dort geht man hinein und gelangt - dank des entfernten Bodens der stählernen Ikone postmodernen Transports oder der sogenannten Globalisierung? - zur Treppe, die in den Untergrund führt.


Auf den ersten Blick ein Kunstwerk, mit dem Zweiten sieht man aber besser bzw. deutlich, dass es doch kein documenta 14 Beitrag ist. Obwohl der Titel doch recht gut ins politische Programm der diesjährigen Ausgabe passt...


Seltsam zeitgemäß mutet die seit über 10 Jahren stillgelegte, unterirdische Bahnstation trotz des Staubes und der eingerosteten Rolltreppen an. Wie in einem Horrorfilm. Eine perfekte Kulisse für das zuletzt wieder beliebte Zombiegenre... Nur die alten Plakate und Mülleimer, deren Typ sich im heutigen Kasseler Stadtmobiliar kaum noch findet, zeugen vom Beginn des Stillstands an diesem Ort. 

Hier unten, auf der Zwischenetage, die zu den beiden Gleisen führt, findet man auch ein historisches Kunstwerk: Die "Gläserne Stadt" des Arnold Bode-Schülers Dieter von Andrian. Leider fehlt dem Werk der Titel documenta-Kunstwerk. Es ist eine gläserne Wandarbeit, ein Stadtplan und eine Schande für eine Stadt, die alle 5 Jahre viel Geld für den Ankauf von Kunstwerken ausgibt, dieses Werk aber in Kürze mit dem gesamten unterirdischen Bahnhof zur Freude zukünftiger Archäologen zuschütten will...

Apropos: Zum Glück hat der inzwischen legendäre, ''Unten'' genannte Club nach dem Abriss des von der documenta 13 und anderen kreativen Bürgern der Stadt genutzten Nordbahnhofs einen passenden Alternativstandort gefunden. Hier unten, an diesem wie die Faust auf's Auge passenden Ort, wäre der Club sicher auch sehr gut aufgehoben. Denn Notausgänge und Lärmschutz wären hier wohl kein Problem, auch das Kunstwerk von Andrian wäre ein passender Einstieg für den Club... 


Ist das Kunst oder kann das weg? ''Begehrt auf, das Leben ist es wehrt'' schrieb ein anonymer, kunstaffiner Mensch vor oder um 2005 hier. Wir meinen, dieser Mülleimer ist ein Fall für's Kasseler Stadtmuseum, sollte die Bahnstation wie angekündigt wirklich verschüttet werden...

Auf der oberen Ebene des Untergrundbahnhofs befindet sich auch die ''Monday'' (2017) genannte Arbeit von iQhiya, eine Performance, die leider nur einmalig am 11. Juni stattfand, eine Installation mit Schulbänken und einer Videoprojektion. 

Nach dem wir den Schnitt im Videoloop erkannt haben, die Notizen entziffert und so ausreichend Hinweise für Spekulationen über
iQhiyas Intentionen gesammelt haben, gehen wir von hier aus die Treppen hinab, flankiert von den beiden stillgelegten Rolltreppen. Hier begegnen wir der ''The Course of Empire'' (2017) genannten, Vierzehnkanal-Digitalvideo-Installation von Michel Auder.  


Ein Still der ''The Course of Empire'' (2017) genannten, Vierzehnkanal-Digitalvideo-Installation von Michel Auder.

Quinn Latimer schreibt zu Auders Arbeit das Folgende: ''...Imperien, mit ihren schwachsinnigen Familien und kolonialistischen Invasionen, mit Landraub und der Ausbeutung von Ressourcen, sind keine Phänomene unserer Zeit. Ebenso wenig wie die imperialistische Instrumentalisierung von (Bild-)Sprache. Auders neue Videoinstallation ''The Course of Empire'' beruht auf einer Gemäldeserie gleichen Titels, die Thomas Cole von 1833 bis 1836 schuf. 

Ein „Textfilm“, bestehend aus iPhone-Bildern mit Schriften von James Baldwin, Donna J. Haraway und Arthur Rimbaud. The Course of Empire enthält zudem Auszüge aus dem Buch Reise in die Aequinoctial-Gegenden des neuen Continents, in dem sich Alexander von Humboldt mit dem Thema Sklavenhandel auseinandersetzt. 

In Auders Film notiert Humboldt: „[D]er Sklave [bleibt] in der Einsamkeit einer Pflanzung oder eines Pachthofes den größten Mißhandlungen preisgegeben, wenn auf demselben ein roher capataz, mit einem Buschmesser (machete) und einer Geißel, unbeschränkte Gewalt und Herrschaft übt!“ Und: „Der Matrose, auf der einsamen Seefahrt zu andauerndem Gehorsam gezwungen, übt gerne eine grausame Herrschaft gegen Thiere aus, sobald sich dazu Gelegenheit darbietet.“ Imperium und Sprache und all die Körper dazwischen.''

Zwei weitere Künstler bespielen mit ihren Arbeiten diesen ungewöhnlichen Ort, den wir als Auftakt für die Erkundung der documenta empfehlen möchten. Überhaupt macht dieser Start Lust auf mehr. Hat man alle Arbeiten gesehen, geht man dem Licht am Ende des Tunnels entgegen, dann geht es im Sinne
Szymczyk weiter. In die bunte, spannende, weil ehrliche Nordstadt, weiter über den klassischen Friedrichsplatz mit den etablierten documenta-Institutionen und Groß-Installationen, dann weiter in Richtung Süden bis zu der Torwache, dem unvollendeten Tor zur Stadt...

Zum Schluss hier zur Vor- und Nachbereitung die documenta 14-Links zu den Beiträgen aller Künstler_innen, die in der unterirdischen Bahnstation am Kulturbahnhof zu sehen sind:
 

Michel Auder
Nikhil Chopra
iQhiya
Zafos Xagoraris


Mehr in Kürze...

MUST SEE - Tracing Coyotes - Kassel


Tracing Coyotes – A dog crosses my way
 

Animationsfilm/Experimentalfilm, Kunsthochschule Kassel, 2016
Eeva Ojanperä & Theresa Grysczok


"Tracing Coyotes" - exhibition at "Fenster 9", during documenta 14, Kassel, Germany

Das oben eingefügte Bild verdanken wir der stimmigen Installation zum Film im Verwaltungsgerichtshof Kassel, sie ist im Rahmen der Ausstellung "vision/version" leider nur noch bis zum 7. Juli zu sehen. 

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Dienstag, 4. Juli 2017

documenta?

Eine unscheinbare Intervention eines unbekannten Künstlers oder ?

documenta I - Echte oder Fake-Nazis?

Ein Ausschnitt von Piotr Uklanskis "Real Nazis" genanntem Werk in der Neuen Galerie. Es erinnert deutlich an eine Inszenierung von Künstlerportraits im Rahmen der documenta III. 1964 präsentierte Bode im Fridericianum, im Erdgeschoss, eine Wand voller Künstlerprotraits. Zufall?

Spurensuche? Kennern fällt der junge Joseph Beuys, hier in der Mitte der unteren Reihe, sofort auf. In der aktuellen documenta Ausstellung ist dieses Kriegsportrait des späteren Künstlers prominent, weil genau im Raum vor dem Beuys-Raum der Kasseler Neuen Galerie als Teil der ''Real Nazis'' genannten Fotocollage von Uklanski zu sehen. 

Dass die Neue Galerie ausgerechnet jetzt ihren Beuys-Raum mit seinem berühmten Rudel für das Publikum sperrt, ist ärgerlich. Denn auch wenn Beuys inzwischen zumindest im Small-Talk bei allen Kunstfreunden und -kennern angekommen ist, das Werk selber verstört und hinterlässt noch immer viele fragend.

Genau hier setzt Andres Veiels lobenswerter, noch recht frischer Beuys-Film wohltuend an. Veiel lässt Beuys selber sprechen. Durch eine geschickte, zurückhaltende Collage des mannigfach vorhandenen Bild-, Ton- und Filmmaterials von und über Beuys gelingt es dem bereits für seinen Film ''Black Box BRD'' preisgekrönten Filmemacher, den sagenumwobenen, genialen Selbstinszenierer Beuys scheinbar wieder zum Leben zu erwecken. 

Allen Kennern und Interessierten sei dieser Film hiermit also ausdrücklich empfohlen, denn neben der Figur Beuys beleuchtet Veiel zugleich die noch recht junge BRD. Und somit liefert er zugleich auch viel zum Verständnis der documenta, der heutigen BRD und der aktuellen documenta-Ausgabe. Letztlich ist weder die junge noch die aktuelle BRD - so wie Beuys und die documenta - ohne die Geschichte des nationalsozialistischen Deutschlands zu verstehen.

Das zeigt nicht zuletzt der Streit um den Gurlitt-Nachlass, der nur eine Spitze eines Eisbergs ist, den viele bis heute nicht sehen wollen. Was würden wohl Bode und Co. zu den den bis heute nicht erforschten, geschweige denn restituierten Raubkunstbeständen in deutschen Museen sagen? ...     

Service und Links
- die documenta 14-Website zu Piotr Uklanski, hier
- Gerd Brehm bespricht für die HNA Uklanskis "Real Nazis", hier
- die Website für Andres Veiels zurecht preisgekröntem Beuys-Film, hier
- Barbara Möller bespricht für die WELT Veiels Beuys-Film, hier 

- auch nicht so alt, aber ein ganz anderer Film, Zeige deine Wunde - Kunst und Spiritualität bei Joseph Beuys von Rüdiger Sünner, hier
- mehr über Andres Veiels Film Black Box BRD, hier

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Montag, 3. Juli 2017

fellows network cologne - Hinweise - Tipps - Netzwerk - Kunst

Ein aktueller Screenshot der Website des fellows network cologne

Aus aktuellem Anlass möchten wir auf eine für das Rheinland, Köln und NRW wichtige Initiative hinweisen: Das aus gegebenem Anlass natürlich international benannte fellows network cologne. Das interkulturelle und interdisziplinäre Netzwerk verbindet Kulturinstitutionen und -produzenten, initiiert Dialoge, ist Ansprechpartner und Berater zugleich.

Das fellows network cologne möchte unabhängige Kunst- und Kulturproduzenten mit etablierten Kunst- und Wissenschaftsinstitutionen vernetzen - lokal wie international. Wir finden, das ist eine wunderbare, lohnenswerte Arbeit, die wir in diesem Sinne hier gerne vorstellen und unterstützen wollen.

Kein Wunder, dass die Stadt Köln, die Rheinenergie Stiftung für Kultur und die Akademie der Künste der Welt zu den Förderern fellows network cologne zählen. Denn die Initiative bewirbt und fördert spannende Kultur, ist ein wichtiger Wegweiser im Informationsdschungel.

Hier folgt nun die etwas detailliertere Selbstbeschreibung in englischer Sprache und der aktuelle Newsletter, dessen Abonnement wir Ihnen - wehrte lesende Kunstproduzenten, -interessierte und -vermittler - ans Herz legen möchten.

'The fellows network cologne/NRW is an intercultural and interdisciplinary platform encouraging dialogue among the various residency programs, fellows and artists in residence in Cologne and North Rhine-Westphalia (NRW). It aims to connect the independent art scene with established art and research institutions and functions as a general contact for fellows and artists in residence for any concerns. 

In order to develop a floating dialogue the network established regular meetings for fellows in various spaces and in close collaboration with our partner institutions in Cologne and NRW. The blog serves as an information pool: listing events, current fellows and artists in residence and providing links and helpful materials.'

Und hier der aktuelle fellows network cologne Newsletter, den man abonnieren oder auf der Website des fellows network cologne lesen kann:

'Don´t miss your last chance for PLAY-Festival, with four works of current and former CAT-Cologne artist in residence Rosalind Breen, Joël Verwimp, Sam Hopkins and BorderlessTV, a group initiated by Felipe Castelblanco.

Feel kindly invited to forward open calls by Pact Zollverein and RuhrResidence. I hope to see you on tuesday evening for the reading group with current Academy of the Arts of the World Fellow Jan Sowa and Hubert Gromny "Popular Culture against Fascism". 


Therese Schuleit

INVITATIONS:


PLAY: Joel Verwimp - A.L.R.E.A.D.Y. and former fellows

The score, D. Aftermath (2014) for Cologne by Lindsey Drury, extended by Joël Verwimp for CAT Cologne in the context of the PLAY, video and performance festival 2017.  


Popular Culture against Fascism

The fourth meeting of Academy’s reading group will be dedicated to the political potential of popular culture. We will analyze how movies, computer games, videoclips and TV series express political ideas and in which way they can promote anti-fascist agenda. 


Our examples will include South Park, Beyonce, Kendrick Lamar, Wolfenstein. The New Order and Iron Sky 2. The guests of the meeting, Hubert Gromny and Jan Sowa, will present their research in the field, especially a modification of a stategy war video game „Hearts of Iron IV“. 


OPEN CALLS:


Last Call - Pact Zollverein residencies

Running all year round since 2002, the residency programme is at the heart of PACT Zollverein’s day to day work. Open to professional artists from home and abroad who work in the areas of dance, performance, media arts or music and closely linked to PACT’s two other core strands of activity in presenting work and facilitating research and development, the programme is a key element in PACT Zollverein’s profile as an Artists’ House supporting lively exchange between practice and theory. While occupying their own designated space and essentially working independently, residents may choose to take advantage of various kinds of production support such as dramaturgy, technical assistance, project management as well as press and publicity.

The application deadline for residencies is 3rd of july 2017 at 5 pm (central European time). Read more.


 
Open Call - Ruhr Residence 2017

Envisioning the german ruhr-region as a field for experimentation, laboratory, room for possibility and feasibility, thekunstvereineruhr, a consortium of about 15 art societies and art houses in the ruhr-area, developed the concept for »ruhr.residence«. The format of residency is divided into the fields »go« and »return«. »go« applies to in-situ artists: in form of a scholarship, eight ruhr artists get the chance to travel to a country they deem relevant to their artistic advancement as artists.

»return« brings international artists living outside of the ruhr-area into the region: during a research phase that can last up to three months, they are given the opportunity to develop conceptsand crucial questions for new works of art. all residencies will be simultaneously documented on the website www.kunstvereineruhr.de as well as social media and, subsequently, will be available as a lasting online archive.


CURRENT ARTISTS IN RESIDENCE:
 

Jan Sowa - Academy of the Arts of the World

Sowa is the author and editor of numerous publications, including the volume of essays A Joy Forever: Political Economy of Social Creativity. In his articles, monographs and essays, he criticizes the interpretation and handling of Polish history.

Sowa counts as one of the most important voices of the European Left. He lives in Warsaw. Read more.

 


Niq Mhlongo is a Johannesburg-based journalist and novel- ist. After his novels Dog Eat Dog (Ohio University Press 2004) and After Tears (Ohio University Press 2007), Way Back Home (kwela 2013) is his first novel published in german. his most recent publication is Affluenza (Kwela 2016), a collection of short stories. In June 2017, Mhlongo is a fellow of the Academy of the Arts of the world.  

Mehr Informationen und Newsletter-Abonnement, hier 

Freitag, 30. Juni 2017

Kunst macht viel Arbeit - S.M.ART consulting hilft...


Alarm! Eine riesige Nach- und Vorlass-Welle rollt auf uns zu. Nun gut, wir müssen hier wohl etwas relativieren, zumindest einige glückliche Menschen und Institutionen in unserer Republik sind davon betroffen. Der Run auf die Kunst zeigte sich zuletzt bei einem spektakulären Auktionsergebnis in London: Beckmanns 'Hölle der Vögel' erzielte bei Christie's rund 40 statt der geschätzen 30 Millionen EUR.

Das ist der bisher höchste Preis für ein Werk eines deutschen Expressionisten. Bisher... Natürlich gibt es dafür viele Gründe, einer davon ist die enorme Masse an Kapital, das einen 'sicheren' Hafen sucht. Und damit zurück zur Einleitung. Denn dieser Run auf die Kunst ist auch bedingt durch eine bis heute andauernde, ungewöhnlich lange Friedens- und Wohlstandsphase. Kapital akkumuliert bekanntlich gern...

Dieser - zumindest für einige Bewohner der nördlichen, meist eher westlichen Hemispähre - glückliche Umstand ist der Grund für ein in der jüngeren Geschichte recht einzigartiges Phänomen: Noch nie wurde so viel Kunst produziert, nie zuvor musste so viel Kunst vererbt, gestiftet oder gespendet werden.

Was nun? Keine Panik! Wer keinen Überblick über seine Sammlung hat, kann sich -
je nach Umfang - relativ schnell einen solchen verschaffen. Und sollte dies tun, denn die Erfassung bzw. Dokumentation bestimmt den Wert wesentlich mit. Und genau hier setzt das Angebot von S.M.ART consulting an, das wir im Folgenden anhand einer spezifischen Leistung kurz vorstellen wollen. 

Dies geschah zuvor bereits zu den Themen Bestandsanalyse und Bedarfserfassung, Digitales Archiv und Objektmanagment. Weitere Leistungen und Facetten des Angebots von S.M.ART consulting werden in den kommenden Wochen thematisiert.


Zum Thema konservatorischer Betreuung, Archiv, Überblick, oder etwas zeitgemäßer formuliert, Sammlungsmanagement äußert sich S.M.ART consulting wie folgt:

'Kunstdepots sind wahre Schatzkammern. Die darin geborgenen Kostbarkeiten benötigen eine werkspezifische Pflege und Lagerung, die auch langzeitarchivarischen Ansprüchen genügt. Unsere Bestandserfassung und Bedarfsanalyse enthält daher auch eine fachkonservatorische Betreuung, die Ihnen hilft, Gefährdungspotentiale und Schäden rechtzeitig zu erkennen, zu kalkulieren und effizient zu beheben.'

Mehr Informationen unter www.s-m-art-consulting.de und in Kürze an dieser Stelle.

Mittwoch, 28. Juni 2017

documenta Kritik - Kunstdebatten und finanzielle Ungereimtheiten...


Lange Schatten wirft derzeit nicht nur ein großes Kunstwerk in Kassel. Die Kunstkritik wird nun durch kritische Fragen an die Geschäftsführung ergänzt. Das Bild ist ein Screenshot, ein Ausschnitt der documenta 14-Website, zu sehen ist das für Kassel reaktivierte, modifizierte Werk "The Parthenon of Books" der argentinischen Künstlerin Marta Minujin. © documenta 14 und Marta Minuji

Jetzt läuft sie schon über zwei Wochen, die aktuelle Ausgabe der documenta. Wir haben bereits zu Beginn ausführlich kommentiert und Kritiken zusammengestellt, daher folgt hier nur eine Ergänzung der vorhandenen Links. Die Kunstkritik verdichtet sich. Ganz neu und politisch brisant sind die Diskussionen über finanzielle Ungereimtheiten.

Hier folgen aktuelle Interviews, Gespräche und Kritiken zur documenta 14, mehr folgt wie gewohnt in Kürze... Die Links sind wie zuvor schon kursiv markiert...


- ein Kommentar der HNA - Florian Hagemann kommentiert für das Kasseler Lokalblatt die Debatte um fragwürdig entlohnte Leiharbeit in Athen und kritisiert die Kommunikation der documenta, hier


- Leiharbeit und kein ausreichendes Budget? Jobs für die Frau des künstlerischen Leiters? Die documenta Geschäftsführerin gerät in Erklärungsnot. Recherchen zufolge hat die documenta in Athen eine Leiharbeitsfirma - Stichwort learning from Germany - engagiert, die statt eines versprochenen Stundenlohns in Höhe von 9 Euro nur 5,64 Euro brutto zahle. Werner Bloch berichtet über die aktuellen Ungereimtheiten der aktuellen Schau fernab von der Kunst. (Deutschlandfunk, 28.06.). Zum Nachlesen hier und zum Nachhören des ausführlichen Interviews hier.

- Kapitalismuskritik? Die documenta und die Finanzen: Die documenta hat sich der Kapitalismuskritik verschrieben, doch sie kommt selbst ins Gerede: mit Lohndumping in Athen, einem intransparenten Budget und dem Vorwurf der Vetternwirtschaft. (WDR 5 Scala, 27.06.)
 

- Sehr schön. Kunst für Kinder? Wie man Kinder schon vorab über die documenta 14 informieren und vielleicht auch für eine Reise nach Kassel begeistern kann, versucht das Kakadu genannte Radioformat von Deutschlandfunk Kultur. (Deutschlandfunk Kultur, Kakadu 25.06.)

- So etwas gab es in Griechenland noch nie zuvor. Mit der documenta 14 in Athen habe die griechische zeitgenössische Kunst plötzlich die internationale Bühne betreten, sagte die Leiterin des Athener documenta-Büros, Marina Fokidis. Sie hatte die "Kunsthalle Athena" zum Klimax der griechischen Finanzkrise initiiert, begleitet von der Wut auf Deutschlands Spardiktat - denn: "Künstler werden stärker in Zeiten der Krise".
Ein Gespräch mit Barbara Schäfer (Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 25.06.)

- Kunsterziehung: Keine Documenta hatte so große Ambitionen wie diese. Und keine hat für den Besucher so hohe Hürden errichtet. Das Hauptproblem aber ist: Adam Szymczyk und seine Kuratoren nehmen ihre Thesen wichtiger als die Kunst und die Künstler. Warum die documenta 14 gründlich danebengegangen ist – und es sich trotzdem lohnt, nach Kassel zu fahren. Till Briegleb für das art-Magazin (23.06.2017)

- Zwischenbilanz Doppel-documenta: Vor allem gegenseitige BefruchtungVon Ludger Fittkau: Alles läuft gut, befand der hessische Landtagsausschuss für Wissenschaft und Kunst bei seiner Reise zum documenta-14- Standort Athen machen. Und womöglich gibt es auch Möglichkeiten für eine weitere Zusammenarbeit zwischen Kassel und Athen über die documenta hinaus. (Deutschlandfunk, Kultur heute 21.6.)

- Lokalkolorit: Die Mark Christian von Busse für die HNA sammelt und kommentiert die ersten Eindrücke der Presse über den documenta 14 Auftakt in Kassel, hier (11.06.2017)

Und hier zum Schluss die letzten kunstlich.com-Kritikcollagen zur documenta:
- die dritte Kritiksammlung von kunstlich.com findet man hier
- die zweite Kritiksammlung von kunstlich.com findet man hier
- die erste Kritiksammlung: After Athens - die documenta 14 in Kassel...kunstlich.com am 8. Juni, hier

Montag, 26. Juni 2017

...lässt sich herrlich streiten, ein Lob auf die Kritik!

Ein Screenshot einer aktuellen Werbe-Email des kunstforums, das bekanntlich zu jedem Kunstausstellungs-Großformat ein Sonderheft herausbringt. © kunstforums Amien Haase und Klaus Honnef
Auch wir werden uns bald ins sommerliche Kunstgetümmel schmeißen, schwitzen, staunen und sicher auch einige Male ärgern, über die Banalität der (Kunst-)Welt und andere wichtige Dinge.

Im Verhältnis zur letzten documenta gibt es inzwischen immerhin schon einen recht differenzierten Kritikspiegel. 2012 ließ fundierte Kritik viel zu lange auf sich warten... Obwohl es dafür durchaus viele Ansatzpunkte gab. Aber sei's drum, nutzen Sie - wehrte Leserinnen und Leser - die Vielfalt der (Kunst-)Kritik, um sich vorzubereiten und den Ärger zu minimieren. 

Schlage stehen für fragwürdige oder gar plakative Positionen, die es, warum auch immer auf die renommiertesten Ausstellungen der Welt geschafft haben? Dafür bleibt bei der Fülle an Positionen einfach keine Zeit... 

Unser Tipp: Einfach nach documenta suchen, rechts, am Ende der vertikalen Navigationsleiste von diesem Blog. Dann werden alle bisherigen documenta-Artikel auf einen Blick geliefert. Mehr in Kürze, natürlich auch über Münster...

Freitag, 23. Juni 2017

Köln - Performance - dein fluchtort - 30. Juni 17 Uhr

Was wie eines der in den 1950er Jahren besonders beliebten, weil häufig gesichteten unbekannten Flugobjekte aussieht, ist das zentrale Bild-Motiv der Pressemitteilung dein fluchtort, eine Performance im öffentlichen Raum. © katharinajej

Und hier der nächste Tipp zum Thema Renaissance des Performativen, das uns verfolgt und von dem wir zuletzt bereits ausführlicher berichteten. Diesmal lenken wir den Blick auf ein aktuelles Projekt von katharinajej, Teil des Performance-Duos katze und krieg, das die Künstlerin wie folgt vorgestellt:

dein fluchtort

für einen Moment raus aus dem Alltag
aus dem Gespräch mit dem Arbeitskollegen auf dem Weg zum Essen
der Hetze zur Straßenbahn
dem eiligen Gehen zum Supermarkt
den sich aufdrängenden Werbetafeln
dem grauen Beton
den Hunden, Kinderwagen, vorbeirauschenden Radfahrern, Reihen von Autos und Joggern.

An sieben belebten öffentlichen Plätzen in Köln errichtet katharinajej temporär an unterschiedlichen Nachmittagen im Sommer und Herbst 2017 dein fluchtort. Der inszenierte Rückzugsraum ist ein Stolperstein auf dem routinierten Weg durch die Stadt. dein fluchtort ist eine begehbare Skulptur, die Passanten einlädt sich für einen Moment oder länger dem eigenen Alltag zu entziehen, wegzutauchen, sich rauszunehmen, zu verschwinden. 


deinfluchtort ist eine Höhle, deren Innenraum Geborgenheit und ein Innehalten im Trubel der Stadt ermöglicht. Bis zu drei Personen können gleichzeitig darin ruhen, nichts tun, horchen und in dem dunklen Raum ohne Konsum-, Bespaßungs- oder Ordnungszwang sein. 

dein fluchtort ist jedoch nicht nur ein Versteck inmitten der Stadt, sondern verwandelt sich durch das Betreten weiterer Menschen in einen Begegnungsraum, der ein gemeinsames Sein von Fremden erlaubt.
 

Am 30.6.2017 findet zwischen 17 und 19 Uhr die erste öffentliche Präsentation von dein fluchtort in der Venloerstr. 309 in Köln statt. Abhängig vom Wetter wird dein fluchtort sechs weitere Male im Juli und September 2017 an verschiedenen Orten in Köln aufgebaut. Wer wissen möchte, wann und wo dein fluchtort zu finden ist, schreibt bitte an katharinajej und wird so zeitnah und aktuell informiert.

Hintergrund

katharinajej (*1982 in München) studierte in München, Valencia und Braunschweig Bildende Kunst und Performance. Nach Diplom und Meisterschülerjahr zog sie als freischaffende Künstlerin nach Köln. Sie verrückt durch ihre Interventionen unser alltägliches Leben und kulturellen Rituale, lädt dich auf der Straße ein, mit ihr in der Hängematte zu liegen, aufgespannt zwischen Verkehrsschild und Straßenlampe, lässt sich von dir auf dem Weihnachtsmarkt verschenken oder nistet sich in deinem Zuhause auf dem von ihr initiierten PerformanceZuHauseFestival in Köln und Buenos Aires ein. An Orten von Fremdheit kreiert sie Raum für Begegnung. (www.katharinajej.de )

Zusammen mit Julia Dick ist sie seit 2007 das Performance-Duo katze und krieg. In größter Entschleunigung gehen sie gemeinsam im wunderschönen Ballkleid bei Aldi einkaufen, rütteln laut schreiend an Laternen und Zäunen um das Animalische wiederzuerwecken oder eröffnen mitten in der Fußgängerzone ein Geschäft, in dem sie Performances verkaufen, die sämtliche Bedürfnisse erfüllen. Sie intervenieren im deutschsprachigen und internationalen Raum, im Rahmen von vielen Festivals: Spajalica Kroatien, Performa Südschweiz, BMUKK Wien, HMK Niederlanden, Stromereien Zürich, Jacuzzi Festival Wien WUK, Streetcat in Bat Yam Israel, casa do rio Brasilien, Theaterformen Braunschweig, International Performance Art ZooM Hildesheim.

Service und Links 

dein fluchtort
Fr 30.6.2017 17-19 Uhr - Venloerstr. 309 - 50823 Köln
weitere Termine im Juli und September, siehe hier
- die Website von katharinajej, hier
- die Website des Performance-Duos katze und krieg, hier

apropos, in Kürze: PERFORMANCE_KUNST_KONFERENZ

noch mehr Performance in Theorie und Praxis gibt es in Kürze im Rahmen von PAErsche LAB17, die PERFORMANCE_KUNST_KONFERENZ 
9.-16. Juli im Kulturbunker Köln (Mülheim) - Berliner Str. 20 - 51063 Köln
lobenswert: Eintritt frei, Anmeldung und Spenden erbeten


Anmeldung  

paersche@googlemail.com
Programm  

http://paersche.org/portfolio/paersche-lab17-performance-art-conference/
PAErsche
 
http://paersche.org und https://www.facebook.com/PAErsche/

Mittwoch, 21. Juni 2017

Hörtipp - Deutsches Stromorchester - Beyond Digital Trolling - live 23. & 24. Juni jeweils 20 Uhr

Ein Screenshot von rochusaust.de.

Es tut sich was, da im Turm! In Kürze wird der bereits für Ausstellungen genutzte Turm der Lutherkirche in der Südstadt von einem neuen Kurator bespielt. Und da dieser vor allem als Komponist und Musiker bekannt ist, darf man was 'auf die Ohren' erwarten. Der monumentale Turm ist Überbleibsel einer 1944 zerstörten Kirche.

Den Anfang der nun beginnenden, neuen Zeit machte eine Lichtklanginstallation in der Karwoche, von der wir berichteten (siehe Linkssammlung unten). Man darf gespannt sein, wie man den sehr besonderen Raum mit dem Fokus auf neue musikalische Kunst nutzt. Dass der Ort wie für musikalische Performance gemacht scheint, liegt in seiner Natur. 

Das 2014 erweiterte Geläut der Kirche kann als Grundton, Ursprung der Idee einer Fokussierung auf akustische Projekte gedacht werden. Wer sich mit den vergangenen Aktionen von Rochus Aust eingehender beschäftigt, dem wird rasch plausibel erscheinen, dass es wohl einige ungewöhnliche, genre- und spartenübergreifende Formate geben wird.

Wir sind gespannt und drücken fest die Daumen, dass sich der Ort mit einem bemerkenswerten Programm etabliert und dementsprechend besucht wird. Hier folgen nun die Zeilen der Presseerklärung zum Konzert des 1. Deutschen Stromorchesters in der Lutherkircheam Ende der Woche, Schwitters lässt grüßen...

'Dass sich der analoge Plattenspieler eine USB-Schnittstelle zulegen würde, und dass sich mp3-files über Digital Vinyl Systeme von hippen DJs zum „auflegen“ missbrauchen ließen, als wäre das Scratchen gerade erst erfunden worden, das hätte sich das Digitale Zeitalter kaum träumen lassen. Auch nicht, dass die Digitalisierung von Haustieren dermaßen viele Datenspeicher füllen würde. Und schon gar nicht nicht, dass erst ein profanes Stück ausziehbares Blech, der analoge Selfie-Stick, den digital-sozialen Menschen in seiner Vollendung erschaffen hätte.

Stell Dir vor, es ist Digitale Revolution und alle gehen hin?!

Das 1. DEUTSCHE STROMORCHESTER sieht sich da als Vermittler zwischen denen, die elektrischen Strom noch mystisch in Kilowatt begreifen und denen, die längst rufen „Wir sind die cloud!“ Als Mittler zwischen morgen und übermorgen, zwischen 4.0 und #.X, zwischen der Zeit als noch kommuniziert wurde und der Epoche, in der wir wieder miteinander sprechen werden. Dabei gilt es, das digitale Glazial, diese wunderbare Zwischenzeit auf dem Wechsel von rundlichem zu eckigem Nicht-Wissen, in seiner schroffen Poesie zu erfassen, abzubilden und zu gestalten.

DIGITAL TROLLING
Aus projizierten visuellen Objektsequenzen werden über ein Bilderkennungsverfahren Gegenstände, Körperhaftes und Abstraktes live identifiziert, separiert und quasi „herausgeangelt“ (trolling) – bekannt durch einen rechteckigen (Licht-)Rahmen, der das Objekt fokussiert. Das analoge zweidimensionale Objekt wird von einem CAD-Programm zu einem 3D-Objekt umgerechnet. Anschließend werden die digitalen Daten an einen oder mehrere 3D-Drucker verschickt, die sofort beginnen, das Objekt zu erstellen.
Die elektrischen Geräte, die zur Erschaffung von Rohmaterial (Plastikhäcksler) und Filament (Materialfaden zum Einsatz im 3D-Drucker) benötigt werden, sowie die 3D-Drucker selbst werden Teil des Stromorchesters und seiner Maschinenakustik, sodass der gesamte Produktionsprozess integrierter Teil der musikalischen Aufführung ist.

BEYOND
Die 3D-Objekte werden als Trägermaterial für ein live-recording Verfahren genutzt, bei dem unterschiedliche Rillen in die Objekte geschnitten werden. Die Rille im 3D-Objekt enthält als 4. Dimension den digitalen Klang, der bei der Entstehung des Objekts erzeugt wurde und der nun wieder mit analogen Schallplattenspielern hörbar gemacht wird.'


Hintergrund - Das Orchester
1. DEUTSCHES STROMORCHESTER
Rochus Aust · Musik/Raumordnung/Trompete/Laubsauger
Heinz Friedl · Bassklarinette/3D-Drucker/Mixer
Han Halewijn · 3D-Drucker/Analog-Drucker/Geräte
Florian Zwissler · Analog-Synthesizer/Plattenspieler/Geräte
Tobias Hartmann · 3D-Drucker/Plattenspieler/Geräte
Markus Aust · Hawaiigitarre/Klangregie/Geräte


Service und Links
ROCHUS AUST/1. DEUTSCHES STROMORCHESTER
BEYOND DIGITAL TROLLING
3D SOUNDING

Fr 23.06. und Sa 24.06. jeweils 20.00
Lutherkirche und Turm - Martin-Luther-Platz 2-4 - 50677 Köln Südstadt

lobenswert: freier Eintritt - Spenden willkommen

- die Website von Rochus Aust, hier 
- das 1. Deutsche Stromorchester, hier
- die Website der Lutherkirche in der Kölner Südstadt,  hier
- kunstlich.com über eine Lichtklanginstallation in der Lutherkirche, hier

Dienstag, 20. Juni 2017

Köln - Saloon Arts Education - immer mittwochs 18 Uhr - Kunst ist Kommunikation

Unbekannter Meister, frühes 21. Jahrhundert. Mit diesem Motiv wirbt der aktuelle Newletter der Kölner Reihe Saloon Arts Education - immer mittwochs © unbekannte/r Meister/in

Kunst ist Kommunikation ist Kunst. Mit diesem dadaistisch anmutendem Motto wollen wir erneut auf die Veranstaltungsreihe des Kölner Instituts für Kunst & Kunsttheorie aufmerksam machen. Denn Schlagwörter wie die seit der Mitte der 1970er Jahre konzentrierter geforderte Kulturelle Bildung sind aktueller denn je...

Das Kölner Institut für Kunst & Kunsttheorie beschreibt die Reihe wie folgt: 'Der Saloon Arts Education lädt Kunstlehrer*innen und Ästhetische Erzieher*innen ein, anhand von Bildmaterialien, Objekten und Fundstücken 5 Minuten aus dem eigenen Unterricht zu berichten. Die Fundstücke sollten für Sie Favoriten oder besonders diskussionswürdige Objekte sein. In lockerer Talk-Runde möchten wir den Raum mit vielfältigen Beispielen aus der aktuellen schulischen Praxis füllen. Ausdrücklich sind sowohl Objekte aus dem klassischen Kunstunterricht als auch aus transdisziplinären Unterrichtsprojekten willkommen. Ziel ist es, vielfältige Einblicke in alltägliche Unterrichtspraxis zu ermöglichen, Inspirationen zu erhalten und über die Beispiele ins Gespräch zu kommen.'

Hintergrundinformationen zu den Gästen: 

Jane Eschment lehrt im Bereich Ästhetische Erziehung am Institut für Kunst & Kunstpädagogik der Universität zu Köln. Sie studierte Sonderpädagogik, Kunst und Deutsch an der Universität zu Köln und schloss ihr Studium 2012 mit dem ersten Staatsexamen ab. Im Frühjahr 2015 absolvierte sie ihr Referendariat an der Comeniusschule Leverkusen im Fach Kunst und Förderschwerpunkt Lernen. Ihr Forschungsinteresse bewegt sich im Feld Ästhetischer Bildung, kultureller und inklusiver Schulentwicklung, Dekonstruktiver Pädagogik und kritischer Kunstvermittlung. 

Sie fokussiert ihren Blick auf den städtischen Raum als Raum divergierender Interessen und Aushandlungsort von Öffentlichkeit, als Raum, der in seiner Heterogenität Ausgangspunkte für vielfältige (Ver-)Lern- und Bildungsprozesse bietet. 

Für ihre wissenschaftliche Arbeit bilden ihre Erfahrungen in der Praxis wichtige Knotenpunkte: u.a. von 2013 bis 2015 als Lehramtsanwärterin im Fach Kunst, von 2010 bis 2015 als Pädagogin im Kontext heteronormativitätskritischer Mädchen_arbeit, 2010 als Projektassistentin in inklusiven Projekten der Jugendkunstschule Köln e.V., seit 2013 als Kunstvermittlerin in Projekten der kulturellen und politischen Bildung und im Rahmen von Stadt- und Ausstellungsführungen für das Kölner Urban Art Festival „Cityleaks“.

Gesa Krebber lehrt am Institut für Kunst und Kunsttheorie der Universität zu Köln in den Bereichen Ästhetische Erziehung und Kunst. Sie studierte Kunstpädagogik/Visuelle Kommunikation und Deutsch für das Lehramt an Gymnasien an der Kunsthochschule Kassel und der Universität Kassel. Ihr Studium der Freien Kunst absolvierte sie an der Kunsthochschule Kassel in den Klassen von Urs Lüthi und Dorothee von Windheim. 


Bereits im Studium sammelte sie Erfahrungen in künstlerischer Zusammenarbeit und kuratorischen Tätigkeiten, z.B. mit dem büro für strukturen und öffentlichkeit und dem Projekt- und Ausstellungsraum stellwerk im Kulturbahnhof Kassel. Innerhalb ihres Referendariats verwirklichte sie das Projekt schweitzer box am Albert-Schweitzer-Gymnasium Leonberg (BaWü), ein Kollaborationsprojekt mit Schüler_innen, Künstler_innen und regionalen Kunstinstitutionen. Als Lehrerin für Kunst und Deutsch war sie ab 2007 in Nordrhein-Westfalen tätig, u.a. der Königin-Luise-Schule in Köln. 

Seit 2011 promoviert sie am Institut für Kunst und Kunsttheorie der Universität zu Köln mit dem Forschungsprojekt Kollaborative Kreativität. 2011 erhielt sie für ihr Promotionsvorhaben das Stipendium der Kölner Graduiertenschule Fachdidaktik. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen auf Strategien aktueller Kollaboration in Kunst und Kunstpädagogik, dem Kreativitätsbegriff sowie der Vernetzung der unterschiedlichen Akteure aus den Arbeitsfeldern von Kunst, Schule und Kunstvermittlung.

Service und Links

Reihe Saloon Arts Education21. Juni 18 Uhr:  »Bring a Piece!«
Gespräch mit Jane Eschment & Gesa Krebber
 

Block B | R 2.212 (ehemals 235) | Gronewaldstraße 2 | 50931 Köln
- die Website des Kölner Instituts für Kunst & Kunsttheorie, hier 

Preview auf das Sommersemester 2017
 

27.06.2017, 12:00 Doris Berger (Labor für Kunst und Forschung)
27.06.2017, 18:00 Mirjam Thomann (Labor für Kunst und Forschung)
28.06.2017, 18:00 Bernd Mechler, Werkvortrag (DIE KÜNSTLER SIND ANWESEND)
05.07.2017, 16:00 Johanna Eder (München): Kreativitätsbildung und Kunstpädagogik – historische Kontexte und methodische Ansätz (Kunstpädagogische Positionen)
12.07.2017, 16:00 Rahel Puffert (Uni Oldenburg): »off the road, on the line 192017« (Kunstpädagogische Positionen)
12.07.2017, 16:00 Kathrin Becker (Labor für Kunst und Forschung)

Montag, 19. Juni 2017

after Athens - die documenta in Kassel - Ja Ja Ja - Ne Ne Ne - erste Bilanzen, weitere Stimmen

Ein Screenshot der Deutschlandfunk-Website zu Roelstraetes Essay. Abgebildet ist erneut das für Kassel reaktivierte, modifizierte Werk "The Parthenon of Books" der argentinischen Künstlerin Marta Minujin. Das monumentale Werk stellt sogar das Fridericianum in seinen Schatten, nicht zuletzt abends, wenn es illuminiert wird und an die Bücher-Feuer in und vor dem Fridericianum erinnert. © documenta 14 und Marta Minujin

Jetzt läuft sie schon fast 10 Tage, die aktuelle Ausgabe der wohl renommiertesten Ausstellung für zeitgenössische Kunst: Die documenta 14. Wir haben bereits zu Beginn ausführlich kommentiert und Kritiken zusammengestellt, daher folgt hier nur eine Ergänzung der vorhandenen Links. 

Allerdings sind die beiden Radio-Essays der documenta-Kuratoren ein besonderes Highlight, das wir jedem ernsthaft interessierten Kunstmenschen besonders ans Herz legen möchten. Denn es macht natürlich ein großen Unterschied, ob man diese Stimmen angesichts der zunächst verwirrenden Vielfalt der ersten Doppel-documenta hört, oder die üblichen, ersten Eindrücke der Presse. Positiv in diesem Sinne fällt auch das Interview mit Wulff Herzogenrath auf...

Hier folgen nun weitere aktuelle Interviews, Gespräche und Kritiken zur documenta 14, mehr folgt wie gewohnt in Kürze... Die Links sind wie zuvor schon kursiv markiert...
 

- Hendrik Folkerts: Gedanken zur Kunst - Folkerts versucht eine Annäherung an eine Definition: Interdisziplinär verstanden ist die Partitur [im Englischen score] ist ein Notationsapparat, der das Material einer Disziplin - Musik, Tanz und Performance, aber auch Architektur, Linguistik, Mathematik und Physik - und ihre Wissenssystematik mit einer Sprache verbindet. So entsteht eine Beschreibung, Übertragung oder auch Bezeichnung, die es - in welcher Form auch immer gelesen - ermöglicht, aufgeführt oder ausgeführt zu werden. Wenn man so will ist auch dieser Essay, besser das Interview mit Folkerts ein Beweis für die Renaissance des Performativen... (Deutschlandfunk, Essay und Diskurs,18.06.)

- Dieter Roelstraete: Gedanken zur Kunst - Ein fester Wald: Kassel, die Brüder Grimm und Lösungen in der Kunst. Am Schluss seines wirklich empfehlungswerten Essays, der es schafft, eine historisch versierte, intellektuell inspirierende Brücke zwischen Aten und Kassel zu schlagen, die weit über die aktuellen Aspekte des learning from Athens-Konzeptes hinaus reicht, endet Roelstraete mit einer vermeintlich deutschen Neigung. Gemeint ist Ansatz, Lösungen für gesellschaftliche Probleme in der Kunst zu finden. Eine durchaus sympathische Eigenart...(Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 11.06.)

- Die documenta Kassel im Ausnahmezustand?  - Die documenta 14 präsentiert - so Padtberg - jetzt auch in Kassel kraftvoll und politisch die wichtigste Kunst der Gegenwart. Carola Padtberg notiert für den SPIEGEL, welche Kassel-Projekte Kunstfreunde kennenlernen sollten.

- Alle werden eingemeindet - Die documenta ist heimgekehrt. Nach Kassel. Vor allem aber will sie auf der richtigen Seite der Geschichte stehen, meint Boris Pofalla in der FAZund fragt etwas skeptisch, wo steht denn dann die Kunst? (FAZ 11.06.)

-
documenta und kein Ende? Die Neugierde der Menschheit ist ja doch zum Glück da, meint Herzogenrath. Angenehm ausgewogen und immer vor dem historischen Horizont kommentiert Wulf Herzogenrath, der unter der Leitung von Manfred Schneckenburger gleich zweimal die documenta (1977 und 1987) kuratierte, die aktuelle Ausgabe in dem Interview  (Deutschlandfunk 11.06.)

- Nicola Kuhn klagt im TAGESSPIEGEL über die documenta als eine Liste der Untaten des Westens, Kunst als kollektiven Vorwurf und den vorherrschenden Chor der Klage, mimimi…möchte man hinzufügen (TAGESSPIEGEL 09.06.)

- Monumenta statt documenta? - Die documenta 14 will mit Bauten und Aktionen im Außenraum die Stadt und das Leben umformen, konstatiert Niklas Maak und versucht eine Bilanz: Selten sei auf einer documenta so massiv die Beschränkung aufs Visuelle kritisiert worden. Überall flüstere, poche, zirpe, klinge etwas, so Maak. Es sei, als habe man Stimmen im Kopf, eine akustische Halluzination…Das klingt noch gut, aber dann ist der Autor doch etwas sehr genervt von vielen Künstlern, die mit einem enormen, manufactumhaften Aufwand politische Allgemeinplätze illustrieren.‘ (FAZ 09.06.) 


- Mehr als politische Kunst - Wie einem die documenta den Kopf verdrehen kann - Ein akustischer Rundgang von Thorsten Jantschek (Deutschlandfunk Kultur, Studio 9, 9.6.)

Und hier zum Schluss die letzten beiden Kritikcollagen zur documenta:
- ERÖFFNET: die documenta 14 in Kassel... kunstlich.com am 10. Juni, hier 
- Coming soon: After Athens - die documenta 14 in Kassel...kunstlich.com am 8. Juni, hier

Freitag, 16. Juni 2017

Kunst macht viel Arbeit - S.M.ART consulting hilft...


Achtung! Eine riesige Nach- und Vorlass-Welle rollt auf uns zu, nun gut, zumindest auf einige glückliche Menschen und Institutionen in unserer Republik. Die bis heute andauernde, ungewöhnlich lange Friedens- und Wohlstandsphase der BRD ist der Grund für ein in der jüngeren Geschichte recht einzigartiges Phänomen: Noch nie wurde so viel Kunst produziert, nie zuvor musste so viel Kunst vererbt, gestiftet oder gespendet werden. 

Was nun? Wer keinen Überblick über seine Sammlung hat, sollte sich schnell einen solchen verschaffen. Denn die Erfassung bzw. Dokumentation bestimmt den Wert wesentlich mit. Und genau hier setzt das Angebot von S.M.ART consulting an, das wir im Folgenden und in den kommenden Wochen etwas detaillierter vorstellen werden.


Zum Thema Archiv, Überblick, oder etwas zeitgemäßer formuliert, Sammlungsmanagement äußert sich S.M.ART consulting wie folgt: 

'Die Digitalisierung von Sammlungen bietet enorme Vorteile. Wir nutzten die Synergiepotentiale der Digitalisierung. Sie minimieren den Aufwand für Leihverkehr und Bestandspflege ebenso wie für die Erstellung von Werkverzeichnissen und Publikationen. Die Präsentation Ihrer Schätze und die Vernetzung mit anderen Institutionen wird dank digitalem Sammlungsmanagement wesentlich vereinfacht.'

Mehr Informationen unter www.s-m-art-consulting.de und in Kürze an dieser Stelle.