Samstag, 10. Oktober 2020

...am seidenen Faden - 05

© Foto und Kunstwerk: Friedrich von Hülsen

Diese Fotografie ist der Abschluss einer Reihe von Aufnahmen des Kölner Künstlers Friedrich von Hülsen an dieser Stelle. Sie ist besonders geeignet, um die Mannigfaltigkeit der Dimensionen der Interpretation und die Genese eines Kunstwerks exemplarisch zu veranschaulichen.

Das Foto zeigt das Werk vor einem schwarzen Vorhang. Scheinbar inszeniert? Aber was macht die Hand da? Ein Schnappschuss? Aber warum ist die Hand bzw. der zu ihr gehörige Körper dann so zurückhaltend? Auch die aus dem schwarzen Ärmel vor dem schwarzen Hintergrund wahrhaft erscheinende Hand scheint nicht zufällig...

Die Aufnahme verdeutlicht zum einen das ungeheure Potential der Inszenierung eines Kunstwerks. Der Vorhang deutet auf Theater bzw. Präsentation oder ist es nur ein möglichst neutraler Hintergrund? Zum anderen wird in den folgenden Zeilen deutlich, wie sehr die Geschichte, das Geschichten erzählen, Teil unseres Kunstverständnisses bzw. der Kunstgeschichte ist. 

In einem Gespräch mit dem Künstler über seine hier gezeigte Arbeit berichtet er, der Ausgangpunkt für diese Arbeit sei zunächst die Frage 'Wer spielt denn wen?' gewesen.

Eine kleine Druckplatte ist der Ursprung dieser Plastik mit dem Titel “am seidenen Faden“ aus dem Jahre 2019/20. Von der kleinen Druckplatte wuchs die Idee zu einer raumgreifenden Arbeit die 2,2 x 2,2 x 2,2 Meter misst. Die Idee zum Thema Puppenspieler evozierte zunächst eine teils monströs anmutende, geschweisste Hand.

Schließlich gesellte sich ein der Dimension der Hand entsprechendes Holzkreuz dazu. Dann folgten Stoff, Gaze und Fäden. Und am Ende ruhte die Plastik auf Stangen. Diese Spannung intensivierte der Künstler, in dem er im Rahmen einer  Tour sein Werk vor dem Hintergrund des Braunkohletagebaus Hammbacher Forst inszenierte. Auf Weiß folgte Schwarz.

Die Geschichte dieser Arbeit verdeutlicht sehr anschaulich den (Bedeutungs-) Wandel einer Arbeit. Das vielfältige Potential eines Werks, von einer Idee ausgehend, zunächst nur Bild im Kopf eines Menschen. Es wurde zum ersten Mal 'real' in Form einer ersten Skizze. Und diese schließlich mündete in einer Druckplatte, welche wiederum nur der Ausgangspunkt für ein 'in Form bringen', ein Um-Setzen der Idee in eine andere Dimension ist. Doch hier endet die Metamorphose des Werks noch lange nicht. 

Der andere Blick, den das Medium Fotografie mit sich bringt, und der Kontext des 'Hintergrunds' für die Inszenierung des Werks eröffnen weitere Dimensionen der Erschließung, der Bedeutung des Kunstwerks.

Und schließlich ruft das Werk vor dem Hintergrund des im Gedächtnis der betrachtenden Menschen gespeicherten Wissens, ihrer Emotionen und 'Bilder im Kopf' einen ganzen Kosmos an Interpretationen hervor...

Sonntag, 6. September 2020

...am seidenen Faden - 01

© Foto: Peter Eilers - Kunstwerk: Friedrich von Hülsen
  

In Kürze werden wir an dieser Stelle weitere Aufnahmen dieser Arbeit und ein paar Gedanken zum Werk veröffentlichen...

Montag, 4. Mai 2020

It' Corona-time ... Kunst macht Schule - Kunst - GHS - Tiefentalstraße


Wie seht ihr die Welt vor und nach Corona? Was ist Corona für euch persönlich? Wie seht ihr euch vor und nach Corona? Fragen wie diese waren der Ausgangpunkt einer aktuellen Themenreihe. Schülerinnen und Schüler einer 10. Klasse der GHS Tiefentalstraße in Köln Mülheim haben das Thema Corona im Kunstunterricht wieder aufgegriffen.

  
 


  


 






Dienstag, 28. April 2020

Köln: Kunst im (halb-)Öffentlichen Raum: China Syndrom

Das Foto zeigt die Plakat-Intervention des Künstlers Ivo Weber bei Nacht. © Ivo Weber

Kunst im Öffentlichen Raum war vor dem fragwürdigen, weil verwirrenden Wettbewerb um die schlagzeilenwirksamsten Lockerungen der Corona-Einschränkungen für viele Kulturschaffende eine notwendige Alternative. 

Auch wenn wir noch weit von Normalität entfernt sind und die Frage, was denn bitteschön Normalität (nicht erst im Jahre 2020) sein soll, aktueller denn je erscheint, ist das hier im Folgenden beworbene Plakatwand-Konzept des Künstlers Ivo Weber bemerkenswert. 

Wie wäre es, wenn alle Werbeflächen in einem (Kultur-)Staatsstreich für die Kunst gekapert würden? Kunst-Räte würden die rotierende Bespielung der Säulen, Bildschirme und Plakatflächen bestimmen und statt trister oder hohler Werbemotive wäre der Öffentliche Raum voller künstlerischer Interventionen.

Immerhin. Die Stadt Köln hat einige alte Litfaßsäulen für die Kunst gerettet. Traurige 25 von 200... Diese werden regelmäßig - so regelmäßig, wie das in Köln halt geht - von Kulturschaffenden bespielt. Warum aber bespielt ein kunstschaffender Mensch eine Plakatwand? Weil der Kunstjury-Klüngel wie der Kunstmarkt an sich recht elitär bzw. exklusiv ist? 

Subversiv? Listig oder illegal?

Oder weil er - wie zahlreiche andere vor ihm - die kommerziellen Flächen im Öffentlichen Raum für die ernste Kunst kapern will? Weber verneint Spekulationen wie diese. ''Man könnte sagen,'' antwortet der Künstler listig auf unsere Fragen, ''dass eine Plakatwand mehr immer besser ist.'' Hat er sich also dem Kommerz verschrieben? Totaler Ausverkauf und horrende Plakatmieten für die brotlose Kunst? 

Nein, keine Sorge. Der Künstler hat schlicht und ergreifend selbst die Initiative ergriffen. Er hat diese Plakatwand für sich geschaffen. Hier kann man nun mit Weber - in angenehm ruhiger Atmosphäre mit einem inspirierenden Getränk - über sein Werk, die Kunst und das Leben philosophieren. Auch schön. Das ist ein Experiment im Ausstellungswesen, werden einige nun wohl kunsthistorisch kategorisierend sagen. Oder hat er doch ein slominskieskes Werk geschaffen, dass nur vorgibt eine Plakatwand zu sein?

Ist das Kunst oder Kommerz? Bitte fragen sie den Künstler...

Wir haben bereits über ein Projekt des Kölner Künstlers Weber berichtet, in dessen Kontext er auch Werbeflächen am Kölner Ebertplatz bespielte. Scheinbar hat diese Erfahrung Spuren hinterlassen... Und jetzt, Anfang Mai startet die nächste - also nicht die erste - Plakatkunst-Aktion des Künstlers in Köln, natürlich Corona-gerecht. Mit den folgenden Worten lädt der Künstler dazu ein:    

''Liebe Freunde,
die Plakatwand hat gewechselt.
Zu sehen ist meine Arbeit China Syndrom.

Leider diesmal - Coronabedingt - ohne eine Eröffnung.
Ich möchte Sie/euch einladen, die Plakatwand zu besichtigen.
Bei Anmeldung gerne auch auf einen Kaffee oder Wein - mit Abstand.''



Das Foto zeigt die Plakat-Intervention des Künstlers Ivo Weber mit 4 Corona-gerechten Sitzmöglichkeiten. © Ivo Weber


Service und Links:
Öffnungszeiten: Tag und Nacht von Mai bis Ende Juli
Ort: Hinterhof - Nikolausstraße 69-71 - 50937 Köln

Kontakt: 0170 - 444 62 54 - info@ivoweber.de - www.ivoweber.de

- Infos zum Litfaßsäulen-Kunstprojekt der Stadt Köln, hier