Sonntag, 10. Juli 2016

Wuppertal: Tony Cragg - Parts of the World - Retrospektive – noch bis zum 14. August

Ein Screenshot der Website des Museums zur Ausstellung Tony Cragg - Parts of the World © Von der Heydt Museum / Tony Cragg / VG Bild-Kunst Bonn

Die umfangreiche Retrospektive Tony Cragg - Parts of the World ist noch bis zum 14. August im Wuppertaler Von der Heydt Museum zu sehen. Dass es eine besondere, natürlich auch umstrittene Ausstellung ist, hat viele Gründe: Cragg lebt seit Jahrzehnten in Wuppertal...

...der Künstler hat gerade erst (s)einen Skulpturenpark eröffnet, siehe dazu die Service-Rubrik ganz unten. Und dieser Skulpturenpark Waldfrieden hat natürlich nicht nur Freude und Freunde hervorgerufen, Cragg selbst und sein Team richteten die Ausstellung ein und zum ersten Mal in der Geschichte des Wuppertaler Von der Heydt Museums überhaupt wurde das Gebäude für eine künstlerische Position komplett leer geräumt.

Hier folgt in Kürze eine ausführlichere Kritik der Ausstellung, daher hier vorab erst einmal der Pressetext zur Ausstellung von der Website des Museums.

'Das Von der Heydt-Museum Wuppertal widmet dem bedeutendsten britischen Bildhauer der Gegenwart Tony Cragg (geb. 1949) die erste umfassende Retrospektive. Die Ausstellung gibt auf drei Etagen einen Überblick über das gesamte Schaffen, von Craggs Studienzeit bis zu aktuellen Werken aus dem Jahr 2015.

Der Künstler zeigt Skulpturen, Zeichnungen und Druckgrafiken ebenso wie Arbeiten, die bisher noch nie ausgestellt wurden. In Themenräumen entfaltet sich die vielseitige Entwicklung des Bildhauers, in denen die Materialvielfalt (u. a. Plastik, Glas, Fotografie, Druckgrafik, Zeichnung, Aquarell, Bronze, Gips, Edelstahl) eine große Rolle spielt. 

Ein weiteres Thema sind die Werkgruppen, die die Beziehung von natürlichen und künstlichen Formen und Strukturen untersuchen (u. a. Stapelarbeiten, Vessels and Cells, Early Forms, Rational Beings oder auch die früheren Wandarbeiten aus Plastik). In fast jeder Großstadt der Welt befindet sich ein Werk von Tony Cragg. 

Der Künstler hat nahezu alle wichtigen Ehrungen bekommen, die es weltweit gibt, sei es den Turner-Preis, den Praemium Imperiale oder die Ernennung zum Chevalier des Arts et des Lettres. Er hatte Ausstellungen im Pariser Louvre, dem Chicagoer Art Institute und der Londoner Tate Gallery. 

Seit den 1970er Jahren lebt und arbeitet Tony Cragg in Wuppertal. Cragg, bis 2013 Rektor der Kunstakademie Düsseldorf, zeigt zudem eine Auswahl seiner Werke im Skulpturenpark Waldfrieden, den er in seiner Wahlheimat Wuppertal 2008 eröffnete. Der Besuch des Von der Heydt-Museums und des Skulpturenparks Waldfrieden lässt sich gut an einem Tag miteinander verbinden.'

 
Tony Craggs Werk 'Blaue Flasche' von 1982 konnte schon ein Jahr nach seiner Entstehung für das Museum erworben werden und ist schion lange fest im Treppenhaus installiert. In der Ausstellung finden sich weitere Arbeiten aus dieser Werkphase. © Von der Heydt Museum / Tony Cragg / VG Bild-Kunst Bonn

Service

VON DER HEYDT-MUSEUM 

Turmhof 8
42103 Wuppertal
Telefon 0202/563-6231
von-der-heydt-museum@stadt.wuppertal.de

Öffnungszeiten 

DI-SO 11-18 Uhr und DO 11-20 Uhr

lobenswert: Jeden ersten Donnerstag im Monat ist der Besuch der Sammlung
(nicht der Wechselausstellungen) ab 17 Uhr kostenlos


Skulpturenpark Waldfrieden 
Hirschstraße 12
42285 Wuppertal


Links
- ein Ausschnitt des informativen Films über Craggs Werk und Arbeitsweise, hier
- Thomas Köster berichtet für den WDR über Cragg in Wuppertal, hier
- Interview: Sabine Burbaum-Machert im Gespräch mit Tony Cragg, hier
- Stefan Lüddemann über die Wuppertaler Cragg-Ausstellung, hier
- Ralf Stiftel für WA.de über die Ausstellung Tony Cragg - Parts of the World, hier
- Ulrich Traub für die Südwest Presse über die Tony Cragg Ausstellung, hier   
- Bettina Ansorge für die Ruhrnachrichten über Tony Cragg im Heyd-Museum, hier

Donnerstag, 7. Juli 2016

Nackte, peinliche Tatsachen im Kunstbetrieb

 Klare Worte zu peinlichen Tatsachen, mit diesem Motiv und ihrer intelligenten Art der Kritik sind sie bekannt geworden, die sogenannten Guerrilla Gils Conscience Of The Art World. © Guerrilla Gils, siehe auch www.guerrillagirls.com

Sicherlich hat sich die peinliche Statistik des New Yorker Metropolitain Museums, welche die Guerrilla Gils für ihre inzwischen berühmte Kampagne verwendeten, inzwischen etwas verbessert. Auch sind diese peinlichen Zahlen sicherlich kein Phänomen, das sich auf New York und dessen Museen beschränkt. 

Aber dass die sich so feministisch gebierende Leiterin der letzten documenta, was den Anteil der von ihr präsentierten Künstlerinnen betrifft, hinter den Zahlen ihrer Vorgänger lag, wissen auch nur wenige. Trotz zahlreicher Apelle, intelligenter Aktionen und Manifeste in den letzten Jahrzehnten sind die Zahlen, welche das Machtverhältnis zwischen den Geschlechtern im Kunstbetrieb - wie in der Gesellschaft - spiegeln bis heute peinlich. 

Es ist wie bei dem - hier spezifisch deutschen - skandalösen Umgang mit Raubkunst: Alle Involvierten wissen seit Jahrzehnten um die Situation, aber seit Jahrzehnten passiert relativ wenig. Daher wollen wir uns hier als aufklärerische Multiplikatoren betätigen und erinnern an die beiden skandalösen Zustände: 
1. Frauen verdienen auch im Jahre 2016 im Kultur- und Medienbetrieb deutlich weniger und 2. nach wie vor gibt es viel Raubkunst in deutschen Museen, die das fragwürdige Vorgehen deutscher Behörden von 1946 bis heute spiegelt. 

Gleiche Arbeit, weniger Lohn


'Nicht nur in den Führungsetagen der großen Konzerne mangelt es an Frauen - auch in Kultur und Medien. Das zeigt eine aktuelle Studie. Die meisten Theater, Museen und Medienanstalten werden von Männern geleitet. Frauen übernehmen dort eher dienende statt leitende Funktionen.'
Hier der Link zum Nachhören und -lesen, ein Bericht von Julia Schröder

Raubkunst-Rückverkäufe nach 1945  
 
'Hat Bayern Raubkunst, die nach dem Willen der Alliierten nach Kriegsende wieder an ihre ursprünglichen Besitzer gehen sollte, heimlich wieder an die Räuber zurückverkauft? So schreibt es die "Süddeutsche Zeitung". Die Vorwürfe stimmten, sagte der Kunstexperte Willi Korte im Deutschlandfunk. Dies sei aber nicht nur eine bayerische Angelegenheit - auch die Bundesregierung habe nach 1945 solche Verkäufe betrieben.'

Hier der Link zum Nachhören und -lesen, Willi Korte im Gespräch mit Beatrix Novy

130% Sprengel: Hannover hat geliefert und beeindruckt

Ein Screenshot von der Website des Sprengel Museums. Zu sehen ist der Haupteingang und die 2015 installierte Plastik von Alice Aycock. © Herling / Gwose / Werner / Sprengel Museum.

Der Wirbelwind von Alice Aycock, die 'Another Twister (João)' genannte Plastik, die zur Fertigstellung des Neubaus im September 2015 vor Museum aufgestellt wurde, ist nicht nur ein sehr spannendes, weil dynamisches Kunstwerk. Aycocks Werk ist ein an dieser Stelle treffendes Symbol. 

Dieser Ort ist ein Energiezentrum, denn mit der hervorragenden Sammlung des Sprengel Museums - der dank des 2015 eingeweihten, zweiten Erweiterungsbaus nun 1400 qm mehr Ausstellungsfläche zur Verfügung stehen - kann sich Hannover sehen lassen und zählt sich selbstbewusst 'zu den bedeutendsten Museen für die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts.'

Ein detaillierterer Bericht von unserem Rundgang im Altbau, der herrliche, 1979 eröffnete,  von der Architektengruppe Peter und Ursula Trint (Köln) und Dieter Quast (Heidelberg) konzipierte Bau folgt an dieser Stelle in Kürze.


Ein weiterer Screenshot von der Website des Sprengel Museums. Hier ein Blick in den wunderbar lichten Altbau aus den späten 1970er Jahren. © Christoph R. Schmidt Photography / Sprengel Museum.

Hier folgen vorab grundlegende Informationen zum aktuellen Ausstellungprogramm von der Website des Sprengel Museum Hannover:
 

Seit dem 5. Juni 2016 gibt das Sprengel Museum Hannover seiner Sammlung die große Bühne: Unter dem Titel 130% SPRENGEL.SAMMLUNG PUR wird im gesamten Haus auf gut 8.000 qm die eigene Sammlung präsentiert. Mit etwa 800 ausgestellten Wcerken wird es eine Schau der Superlative, die einen Rundgang durch die Kunstgeschichte der Moderne von ihren Anfängen um 1900 bis in die Gegenwart ermöglicht.

Die Präsentation folgt einer Kombination aus chronologischem Ablauf und thematischen Schwerpunkten und zeigt die Sammlung des Sprengel Museum Hannover in noch nie gesehenem Umfang. Erstmals sind die Meisterwerke der Klassischen Moderne in den großzügigen Naturlichträumen im jüngst eröffneten Erweiterungsbau zu sehen. Die Ausstellung unterstreicht eindrucksvoll den außerordentlichen Rang dieser einzigartigen Sammlung.'


Dieser Screenshot von der Website des Sprengel Museums widmet sich dem im Herbst 2015 eröffneten Erweiterungsbau.© Herling / Gwose / Werner / Sprengel Museum

Aktuelle Ausstellungen:

- 130% SPRENGEL.SAMMLUNG PUR – noch bis zum 29. Januar
- Niki de Saint Phalle - The Big Shots – noch bis zum 29. Januar
- Julian Rosefeldt - MANIFESTO – noch bis zum 29. Januar
- Meisterwerke der Klassischen Moderne im Erweiterungsbau – noch bis zum 29. Januar
- Kunst nach 1945 – noch bis zum 29. Januar
- Kosmos Schwitters – noch bis zum 29. Januar
- Geburt der Moderne. Kunst auf Papier um 1910 – noch bis zum 18. September
- SPRENGEL FOTO – NIEDERSÄCHSISCHE SPARKASSENSTIFTUNG – noch bis zum 27. November

Service:

Sprengel Museum Hannover
Kurt-Schwitters-Platz
30169 Hannover

T (0511) 168 – 4 38 75
F (0511) 168 – 4 50 93
Bildung und Kommunikation: T (0511) 168 – 4 46 46
Sprengel-Museum@Hannover-Stadt.de

lobenswert finden wir dass...
das Fotografieren in den Museumsräumen ohne Blitz und ohne Stativ erlaubt ist und
auch der Eintritt ist moderat bzw. sozial: 7 Euro, ermäßigt 4 Euro und freitags ist immer freier Eintritt.

Montag, 4. Juli 2016

Museen als Repräsentationsmaschinen?

Unbekannter Künstler/Kritiker, Collage, Stift auf Postkarte © Lange Nacht der Museen, Foto Elisabeth Deiters-Keul

Vor nicht allzulanger Zeit haben wir eine PKK (Postkartenkritik) zum LWL-Logo in Otto Pienes Werk 'Silberne Frequenz' erhalten, siehe hier. Wir haben recherchiert und sind fündig geworden. Dr. Martin Schmidl hat zu dieser fragwürdigen Integration eines Logos in ein Kunstwerk einen aufschlussreichen Text veröffentlicht.

Denn die Integration des Logos bleibt ein problematischer Vorgang, auch wenn stets argumentiert wird, der Künstler sei damit einverstanden gewesen, Piene selbst habe es vorgeschlagen. Daher wollen wir Ihnen an dieser Stelle eine Sammlung von Stimmen präsentieren: Schließlich berührt das Thema den Kern dieses blogs, hier geht es um Kunst und deren Präsentation.

Kunst oder Werbung?

Der Kunst-Kommerz-Konflikt in Münster eignet sich besonders gut, um fragwürdige Tendenzen im Kunstgeschäft zu illustrieren. Der Einfluss der Sammler und die Unterfinanzierung der öffentlichen Museen etwa, um nur zwei Schlagworte zu liefern. 'Die Museen sind schon lange außen vor', beschreibt Jörg Johnen deutlich diese für ihn untragbare Situation (siehe hier), in einem Interview.

LWL versus Lichtwellenleiter?


Aber, wir wollen nicht schwarz-weiß-malen, sondern zur Diskussion anregen und liefern für Ihre Meinungsbildung wie gewohnt eine umfangreiche Linkliste. Dennoch schließen wir uns an dieser Stelle der Meinung des Architekten Volker Staab, dessen Büro den Wettbewerb gewann und für den LWL-Neubau verantwortlich ist, an. 

'Dass Otto Piene allerdings nachträglich das LWL-Logo in seine Arbeit integriert hat, konnten wir nicht nachvollziehen, da dies aus unserer Sicht die Arbeit aus den sechziger Jahren entwertet.' Volker Staab, BAUWELT-Interview (Nr. 35/2014)

Links
- Silberne Frequenz - Martin Schmidl über die Integration des LWL-Logos in Pienes Kunstwerk, hier
- Architekt Volker Staab über den LWL-Neubau, BAUWELT-Interview (Nr. 35/2014), hier 
- der LWL-blog zum Thema, hier
- eine LWL-Presseerklärung zum Abbau der Installation von Piene, 2009, hier 
- eine LWL-Presseerklärung zur Installation der Silbernen Frequenz, 2014, hier 
- die Haltener Zeitung über den Münsteraner Kunst-Konflikt am Bau, 28.5.2010, hier
- die Münstersche Zeitung über den Kunstkonflikt an der Fassade, 13.11.2014, hier
- der Streit und das Logo - Kunst oder Werbung - Westfälische Nachrichten, 13.11.2014, hier   
- retrospektiven über Piene und die Veränderung der Silbernen Frequenz, 14.6.2015, hier
- kritikmuenster über den LWL und Pienes Lichtinstallation, 10.6.2016, hier

Dienstag, 28. Juni 2016

Deutschlandburka

© Thilo Beu

Gestern nach dem beeindruckenden Fußballspiel, das nach dem Brexit nun auch den britischen EM-Exit mit sich brachte, hatte ich einen seltsamen Traum. Viele von Ihnen kennen vielleicht die Rubrik 'Ich habe einen Traum' des Zeit-Magazins. In diesem Sinne, was durchaus als Hommage verstanden werden kann, möchte ich an dieser Stelle nun von meinem Traum berichten.

Der faszinierende Kampf - der deprimierend vergebliche der Spanier und der motivierend erfolgreiche der Isländer - hatte mich so tief beeindruckt, so sehr bewegt, dass ich die EM mit in den Schlaf nahm. Hier fand nun das gefürchtete Viertelfinale der Mannschaft gegen die Squadra Azzurra statt. Zum Glück ist mir von dem eigentlichen Spiel der Fußballtitanen, vom Ausgang der gefürchteten Begegnung nichts in Erinnerung geblieben. Es bleibt also spannend.

Was ich aber ganz deutlich erinnere, ist ein Bild aus dem deutschen Fanblock. Sie kennen sicherlich die männlich dominierten Kamerafahrten durch die Massen. Fröhliche, jubelnde Fans werden, bis sie sich auf den Großleinwänden im Stadion selbst entdecken und dann der Leinwand, aber nicht der Kamera zujubeln, stellvertretend für einige Sekunden eingeblendet.

Mitten im jubelnden deutschen Fanblock fokussiert die Kamera eine unheimliche Figur. Ihr Jubeln ist eindeutig, ihre Identität im Gegensatz zu den üblichen Fanblock-Bildern aber nicht, denn die Person trägt eine Burka. Der größtmögliche Alptraum der Sicherheitsleute. Doch die Frage, wie der Mann - oder ist es doch eine Frau? - überhaupt so vermummt ins Stadion gelangen konnte, beschäftigt mich nicht lange.

Denn nach dem frenetischen Jubel steht die Figur plötzlich seltsam entrückt, ruhig, mit nicht eindeutig zum Gebet gefalteten Händen ganz still. Scheinbar allein im Fanblock. Nein, ich habe keine Angst vor Sprengstoffgürteln unter einer Deutschlandburka. Liegt es an den stoischen, merkelhaft gefalteten Händen der unheimlichen Figur? Ich wache auf, trinke ein Glas Wasser.
 

Wenige Minuten später, wieder eingeschlafen, gelingt es mir, den Traum fortzusetzen. Und wieder sehe ich die Kamerafahrt entlang der Zuschauerränge, gefüllt mit jubelnden Fans. Sie tragen alle Burkas in den Farben ihrer jeweiligen Nationen. Franzosen, Belgier, Portugiesen, Polen, Italiener, Waliser, Deutsche und Isländer jubeln, beten, zittern und feiern die Erfolge ihrer Mannschaften - und singen gemeinsam die Europahymne.


Hintergrund
 

Sie werden verstehen, dass ich diesem Traum, dem faszinierenden Bild von der Deutschlandburka, nachgehen musste. Nach kurzer Recherche, habe ich schließlich den Ursprung dieses surrealen Bildes gefunden: Nach dem Besuch der empfehlenswerten Woyzeck-Inszenierung - das Bühnenbild ist nach der Vorstellung wie eine Installation oder ein Environment begehbar - des Bonner Theaters vor wenigen Wochen, hatte ich mir eine Postkarte mitgenommen. Das Deutschlandburka-Motiv war mir sofort ins Auge gesprungen. 

Die Postkarte ist im Kontext der Nathan-Produktion entstanden, ein Stück nach G.E. Lessing mit Texten von Muslimen aus Bonn. Der Urheber, der Künstler, dem wir das einprägsame Deutschlandburka-Motiv verdanken, ist der Fotograf Thilo Beu. Ihm gilt an dieser Stelle mein herzlicher Dank.

Sonntag, 26. Juni 2016

PKK XVII: LWL Münster, Juni 2016

© LWL. Museum für Kunst und Kultur, Münster


Service:
Homosexualität_en 
LWL-Museum für Kunst und Kultur
Domplatz 10
48143 Münster

+49 251 5907 201
museumkunstkultur@lwl.org

Öffnungszeiten: 

Dienstag bis Sonntag und an den Feiertagen
10 - 18 Uhr
Lobenswert: Am zweiten Freitag im Monat ist das Museum bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist an diesem Tag frei.

PKK XVIII: LWL Münster: Juni 2016

© Lange Nacht der Museen, Foto Elisabeth Deiters-Keul



Service:
LWL-Museum für Kunst und Kultur
Domplatz 10 
48143 Münster
+49 251 5907 201

museumkunstkultur@lwl.org

Öffnungszeiten: 

Dienstag bis Sonntag und an den Feiertagen
10 - 18 Uhr
Lobenswert: Am zweiten Freitag im Monat ist das Museum bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist an diesem Tag frei.

Freitag, 24. Juni 2016

Münster: Homosexualität_en - noch bis zum 4. September

Screenshot der Website des LWL-Museum für Kunst und Kultur, rechts zu sehen das einprägsame Werbe-Motiv für die Ausstellung, es ist ein Teil der Arbeit CUTS (Hommage to Bengelis) von Cassils © Cassils and Robin Black 2011
Vorab Auszüge aus dem Pressetext zur Ausstellung:

Noch immer sind Liebes- und Lebensentwürfe abseits der heterosexuellen Norm in Teilen der Gesellschaft ein Tabu. Und selbst diejenigen, die sich für aufgeklärt halten, sind irritiert von Menschen, die sich dem anderen oder gar keinem Geschlecht zugehörig fühlen.

Mit seiner Ausstellung „Homosexualität_en“ möchte das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster dazu beitragen, die vielfältigen alternativen Sexualitäten und Geschlechteridentitäten der LGBTIQ-Community (Lesbian, Gay, Bi, Trans, Inter, Queer) in die Mitte der Gesellschaft zu holen.

Die Ausstellungsmacher_innen verzichten dabei auf Belehrungen und zeigen Exponate unterschiedlichster Art: ein Porzellanservice für den Gewinn der Frauenfußball-EM 1989, Fotos der ersten bundesweiten Demonstrationen homosexueller Menschen in Münster 1972 oder auf Video gebannte Lebenserinnerungen queerer Männer und Frauen.

Service:

Homosexualität_en 
LWL-Museum für Kunst und Kultur
Domplatz 10
48143 Münster

+49 251 5907 201
museumkunstkultur@lwl.org

Öffnungszeiten: 

Dienstag bis Sonntag und an den Feiertagen
10 - 18 Uhr
Lobenswert: Am zweiten Freitag im Monat ist das Museum bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist an diesem Tag frei.

Mittwoch, 22. Juni 2016

Zitat der Woche - Jörg Johnen über seinen Abschied vom Kunstmarkt

In einem Gespräch (Die Zeit, Nr. 55, S. 50) mit Tim Ackermann, Redakteur der Zeitschrift Weltkunst, erläutert Jörg Johnen seinen Abschied vom Kunstmarkt und beschreibt diesen wie folgt:

''Früher gab es eine intellektuelle Rezeption der Kunst. Heute geht es nur noch um Besitz, Selbstdarstellung und Glamour. Der allseits zunehmende Größenwahn hat auch damit zu tun, dass die Sammler für das Kunstsystem immer wichtiger geworden sind und sich selbst auch sehr viel wichtiger nehmen: Sie haben das Geld, die Macht, den Einfluss. Die Museen sind schon lange außen vor. Und schwierig war es immer, wenn die Künstler dem Geld folgen.''

Wir sagen 'Schade und Chapeau, Herr Johnen', der 1984 in Köln als Galerist begann und sich mit Künstlern wie Katharina Fritsch oder Thomas Schütte schnell einen Namen machte. 

Was für Kunst bezahlt wird, ist völlig gaga.
Johnen im BZ-Gespräch, 9/2015

Karin Sander schuf in den Berliner Galerieräumen eine Hommage an die renommierte Galerie Johnen. Die Liste der von Jörg Johnen zuletzt vertretenen Künstler spricht für sich: Stefan Bertalan, Martin Boyce, David Claerbout, Martin Creed, Ryan Gander, Francesco Gennari, Dan Graham, Rodney Graham, Andrew Grassie, Candida Höfer, Martin Honert, Raimer Jochims, Prabhavathi Meppayil, Florin Mitroi (Nachlass), Yoshitomo Nara, Roman Ondák, Anri Sala, Wilhelm Sasnal, Tino Sehgal, Wiebke Siem, Jeff Wall, Liu Ye.

Links:
- Johnen im Gespräch mit Michael Zöllner, BZ-Gespräch, September 2015
- Monopol-magazin.de: Interview mit Esther Schipper und Jörg Johnen über die Fusion ihrer Galerien 
- Handelsblatt.com: Ein Portrait der Galerie Johnen von Johannes Wendland 
- Die Website der Galerie Johnen
- Leider ist das Zeit-Interview mit Johnen (Die Zeit, Nr. 55, S. 50) noch nicht online, hier eine Auswahl von Erwähnungen der Galerie Johnen im Archiv der Zeit

Montag, 13. Juni 2016

Düsseldorf K20: Henkel - Die Kunstsammlung - noch bis zum 14. August

Screenshot der Website des K20 zur Ausstellung Henkel - Die Kunstsammlung, © Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, zu sehen ist ein Werk von Mary Heilmann, My Best Friend, 1979, Acryl auf Leinwand, 183 x 122,5 x7,5 cm, Sammlung Henkel, © Mary Heilmann
Zugegeben, es ist toll, dass es nun erstmals eine Ausstellung mit Werken aus der Henkel-Kunstsammlung gibt. Richtig ist es auch, dass man der Sammlung und ihrer Mutter Gabriele Henkel einen prominenten Raum dafür bietet. Das Düsseldorfer K20 mit seiner hochkarätigen Sammlung und seinem Renommee ist der richtige Ort dafür.

Zum einen bietet die Kunstsammlung NRW – wenn man denn in kunsthistorische Arbeit investieren würde – spannende Anknüpfungspunkte, mit denen interessante Dialoge, also Kunst-Geschichten, zwischen den beiden Sammlungen entwickelt werden können. Zum anderen ist die Düsseldorfer Mäzenin wesentlich an der Erweiterung des K20 beteiligt gewesen. Auch vor diesem Hintergrund musste die erste Henkel-Sammlung-Präsentation außerhalb der Konzernräume hier stattfinden, um nicht Vermutungen über ein Zerwürfnis zu provozieren.

Leverkusen, WDR und Co. - NRW blamiert sich auf breiter Front 

Aber es gibt leider auch einiges zu kritisieren, zu hinterfragen. Warum etwa hat man der Sammlerin nicht kunsthistorischen Sachverstand zu Seite gestellt? Ein öffentliches Museum ist auch in Zeiten des nach wie vor stattfindenden Ausverkaufs von Sammlungen, die mit Steuergeldern - Stichwort WDR - erworben wurden, und den immer wieder auftauchenden Schließungsdebatten um renommierte Institutionen - Stichwort Leverkusen - immer noch eine Bildungsinstitution. In diesem Sinne hätte man der Sammlerin respektvoll, höflich aber bestimmt zur Seite stehen müssen.

Wo ist der Ausstellungskatalog oder das Ausstellungsbegleitheft, das Hintergründe zu den Werken und zur Sammlungsgeschichte liefert? Sogar in der sicherlich nicht wohlhabenden Stadt Wuppertal leistet sich das städtische Von der Heydt-Museum ein Begleitheft zur Tony Cragg Retrospektive, dass es Interessierten erlaubt, auch ohne den Kauf des umfangreichen Katalogs ein wenig Hintergrundinformationen zu den Werken und dem Künstler zu erhalten.

Präsentation statt Information?

Die Ansammlung der Gemälde von Delaunay, Ozenfant, Kelly, Heilmann, Stella, Richter, Klapheck, Knoebel und Co. wirkt ohne sinnstiftende, die Auswahl begründende Begleittexte für viele beliebig. Und auch der im Pressetext beschriebene, ‚spannungsvolle Dialog mit der faszinierenden, oft abstrakten Ornamentik außereuropäischer Textilien‘ bleibt ohne Audioguides oder Texte für viele interessierte Besucher nur eine Behauptung. Von den kaum vorhandenen Informationen auf den Tafeln zu den Textilien ganz zu schweigen… 

Auch von einem Sammlungskatalog, der die kunstwissenschaftliche Aufarbeitung der Henkel-Sammlung als ein sicher für beide Seiten gewinnbringendes, zukunftsweisendes Projekt zwischen der Kunstsammlung NRW und dem Unternehmen Henkel symbolisieren könnte, fehlt jede Spur. Und das traurige daran ist, am Geld kann das eigentlich nicht liegen. Der Umsatz des Henkel-Konzerns lag 2015 bei rund 18 Milliarden EUR. 

Pleite oder Portokasse? Es war einmal die Unabhängigkeit...

Oder muss der Henkel-Konzern sich doch aus finaziellen Gründen von Werken trennen und präsentiert diese nun so prominent, um sie anschließend gewinnbringender veräußern zu können? Carl Friedrich Schröer lässt in seinem Lobgesang für die Düsseldorfer Ausstellung und deren Kuratorin Gabriele Henkel (KUNSTZEITUNG, Mai 2016, S.15) leider keinen Platz für Kritik oder Zweifel an dieser One-Woman-Show.

Uns geht es hierbei nicht um eine persönliche Kritik an der Mäzenin, die sich - so Schröer - schon für den Aufbau der Henkel-Sammlung in den 1970er freie Hand wünschte und von Art Consultern nichts hält. Es geht vielmehr um das Verhalten des Gastgebers, die Wünsche oder besser formuliert, die für ein so renommiertes Museum wie das K20 so seltsam bescheidenen Auflagen.

Von einem Dialog auf Augenhöhe zeugt diese Ausstellung nicht. Ex-Gallerist Jörg Johnen beschreibt diese und ähnliche Situationen in einem Gespräch (Die Zeit, Nr. 55, S. 50) mit Weltkunst-Redakteur Tim Ackermann wie folgt:

Der allseits zunehmende Größenwahn hat auch damit zu tun, dass die Sammler für das Kunstsystem immer wichtiger geworden sind und sich selbst auch sehr viel wichtiger nehmen: Sie haben das Geld, die Macht, den Einfluss. Die Museen sind schon lange außen vor.            
 

Leider scheint Johnen mit der Analyse der Situationen richtig zu liegen… 

Zum Schluss der Pressetext des K20 zur Ausstellung:

''Erstmals gibt die Ausstellung Henkel – Die Kunstsammlung einen Einblick in die von der Düsseldorfer Mäzenin und Sammlerin Gabriele Henkel über Jahrzehnte kenntnisreich zusammengetragene Kunstsammlung. Im Fokus der im K20 zu sehenden Präsentation steht eine abstrakte Malerei, die sich beispielhaft in Werken der klassischen europäischen Moderne sowie der amerikanischen Kunst finden lässt. Ausgewählt hat Gabriele Henkel hierfür Gemälde von Robert Delaunay, Amédée Ozenfant, Ellsworth Kelly, Mary Heilmann oder Frank Stella ebenso wie Werke von Gerhard Richter, Konrad Klapheck oder Imi Knoebel. Diese Kunstwerke stehen im spannungsvollen Dialog mit der faszinierenden, oft abstrakten Ornamentik außereuropäischer Textilien. Sie sind Belege für den offenen, grenzüberschreitenden Blick der Sammlerin.

Bisher war die Kunstsammlung, die hochkarätige Werke internationaler Künstlerinnen und Künstler sowie ethnografische Exponate aus der ganzen Welt umfasst, nahezu ausschließlich für Mitarbeiter und Besucher der Düsseldorfer Konzernzentrale sichtbar. Der  international agierenden Sammlerin, Kunstkritikerin, Professorin, Künstlerin und Mäzenin junger Kunst, die mit vielen der Künstler befreundet ist, war es immer wichtig, diese Kunstwerke allen Mitarbeitern zugänglich zu machen und damit wie selbstverständlich in die Arbeitswelt zu integrieren. Die für die Ausstellung im K20 ausgewählten Werke hängen bis heute in wechselnden Konstellationen in den Büros, Fluren, Treppenhäusern oder Konferenzräumen im Düsseldorfer Hauptsitz des weltweit tätigen Unternehmens, ermöglichen so auf ganz besondere Weise einen Zugang zur Kunst aus der ganzen Welt.

Die von Gabriele Henkel selbst kuratierte Ausstellung stellt im K20 in einer großzügigen räumlichen Offenheit mit rund 40 Werken die Höhepunkte der Sammlung vor. Das alles verbindende Leitmotiv ist dabei die Abstraktion in Verbindung mit dem Ornamentalen.''



Service:
K20 GRABBEPLATZ Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen 
Grabbeplatz 5
40213 Düsseldorf
service@kunstsammlung.de

Öffnungszeiten:
- dienstags bis freitags 10.00-18.00 Uhr
- samstags, sonntags, feiertags 11.00-18.00 Uhr
- lobenswert: KPMG-Kunstabend, jeden 1. Mittwoch im Monat, Eintritt frei ab 18.00, geöffnet bis 22.00 Uhr
 

Links:
- WDR über die Henkel-Kunstsammlung in Düsseldorf
- Die Welt über die Ausstellung der Henkel-Sammlung im K20 und das Verhältnis Privatsammlung-Museum
- Die Ruhrnachrichten über Henkel - Die Kunstsammlung in der Kunstsammlung NRW
- Die Rheinische Post über die Kunstmäzenatin Gabriele Henkel und ihre Sammlung