Donnerstag, 24. Januar 2013

Nix Karneval, Kunst: Ben Cotrell - DRIFTER

© Ben Cotrell
Wer sich noch an die fantastische Installation des Wahlberliners Ben Cotrell in der Kölner Simultanhalle erinnert, dürfte auch das sehen wollen: In der Kölner Galerie Warhus Witterhaus ist der nicht nur aufgrund seiner Motive definitiv unheimliche Zeitgenosse zu Gast. 

Schaut man sich die Plastiken - denn es sind keine Skulpturen und darauf werden wir noch öfters eingehen und bestehen müssen - Cotrells bei Warhus Witterhaus in der Maybachstraße an, wird deutlich, dass der Künstler sich, seinen Themen und Techniken treu geblieben zu sein scheint...

Rotten Sun, 265 x 200 x 8 cm, Wood, varnish, stain and oil, 2010 © Ben Cotrell

Service:
Überblick: Aktuelle Werke Cotrells

Cologne Contemporaries Gallery Tour:
25.01.2013: 18–22 h
26.01.2013: 12–18 h

You are cordially intvited to our Cologne-Contemporaries-Party:
Friday, 25.01.2013,
22 h at Nachtigall,
Körnerstrasse 65
Cologne

Panik in der Kulturlandschaft: Wolfs kommt ins Rheinland

'Warnung vor falschen Lehrern'-Szene in einer 'Leien-Bibel',



1540, Holzschnitt, Straßburg Quelle PPO







Neulich in Bonn: Kulturstaatsminister Bernd Neumann nutzt die Eröffnung der Ausstellung "Nur hier" - sie zeigt Werke der Bundeskunstsammlung, also auf nach Bonn, wenn Sie sehen wollen, wofür Ihre Steuermilliarden ausgegeben werden -  gleich für einen anderen guten Zweck. 

Nach Jahren der teils skandalumwobenen Debatten um die Bonner Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland wagt man den Neuanfang: Als neuer Intendant wurde der bisher am Kasseler Fridericianum tätige, aufgrund der letzten dOCUMENTA temporär zwangsbeurlaubte, Rein Wolfs vorgestellt.

Wir hoffen, dass dem Wolf(s) im Rheinland ein besseres Los als seinen - zumindest sprachlichen Artgenossen - beim Vormarsch im Westen beschieden sein wird und wünschen alles Gute!

Service:
Pressemitteilung der Bundesregierung
Bonner Generalanzeiger zum Neuanfang 
Wolfs' Programm in Kassel - Rückblick

Samstag, 19. Januar 2013

Endlich wieder da: Wörter, von Industriespionage und anderen herrlichen Anekdoten

Ein teutonischer Laubfrosch in Schwarzweiß © Unbekannter Meister
Zugegeben, die Rubrik Wörter widmete sich ursprünglich eben nur jenen. Doch wir wollen das mal nicht so eng sehen und Ihre Aufmerksamkeit - durchaus der Wörter-Rubrikidee verwandt - stellvertretend auf eine wundersame, scheinbar recht junge Redewendungen lenken: Das Selbe in Grün.

Ja, das könnte man auch sagen, wenn Rubrik-Puristen sich in eben jene, oben einleitend erwähnte Diskussion vertiefen. Aber machen wir an dieser Stelle mit diesen scheinbar dialektischen Spitzfindigkeiten mal einen Punkt. Denn es geht um das herrliche Autobil oben, ein Opel! 

Die Wiege des Fuchsschwanzes? Von wegen Adam...

Unter der Typenbezeichnung 4/12PS brachte Opel im Frühjahr 1924 diesen Wagen auf den Markt, ein Modell, eine Farbe: Grasgrün. Wohl nicht nur aufgrund jener Farbe wurde das sehr erfolgreiche Produkt - bis 1931 wurden über 119. Tausend verkauft - vom Volksmund liebevoll als Laubfrosch bezeichnet. 

Die andere Seite © Unbekannter Meister
Und somit zeigt sich auch hier wieder die Rechtmäßigkeit dieses Artikels, denn wer, wenn nicht der Volksmund, bringt Wörter hervor? Ja und wer wird in Kürze - wohl leider im wahrsten Sinne des Wortes - den schon heute selten anzutreffenden grünen Genossen noch kennen?

copy and paste

Aber zurück zum Thema und nun endlich kommen wir vom Wort zur Redewendung: Weil in Frankreich nur wenige Jahre vor Opels Typ4 der Citroën Typ C - auch bekannt als Citroën 5 HP bzw. Citroën 5 CV - auf dem Markt kam und dort ebenso erfolgreich - 1922-1926 rund 80. Tausend - verkauft wurde, hat der listige rheinländische Volksmund wieder seinen neologistischen Genuis aufblitzen lassen und sprach: 
Dat iss doch dat Selbe inn Schrün!

Frankreich versus Schopenhauer?

Dasselbe in Grün also? Viele dachten das wohl und so entstand die Legende vom Ursprung der grünen Redewendung, die auf deutscher Industriespionage bzw. einem bekannten Urheberrechtsstreitfall zu beruhen schien. Allerdings gibt es viele Indizien für einen anderen Ursprung bzw. solche, die eindeutig belegen, dass die Formulierung schon vorher populär war. Sehen Sie selbst:

Joseph Herrmannsdörfer, 1903, Beiblatt der Fliegenden Blätter 1903, Nr. 3045 (23) Fünftes Blatt, München, den 4. Dezember 1903, 119. Band
Und fernab vom Datum eröffnet Herrmannsdörfers fliegendes Blatt eine weitere Deutungsebene: Ein prädixhafter Snob steht mondän vorm Fahrkartenschalter. Da er zum selben Ort, wie der - wesentlich symphatischere und doch nicht minder wohlhabend dargestellte - Passagier vor ihm, der eine Fahrkarte dritter Klasse erwarb, reisen möchte, bestellt er wie folgt: „Dasselbe in Jrün!“ 

Nur Gelb ist gelber als Gelb selber

Schon Goethe philosophierte ja gern über Farben, aber jetzt zurück zu Herrmannsdörfer und der nächsten Erklärung: Kurz und knapp - wenn auch mit etwas rheinländischen Einschlag - zeigt der feine Herr mit diesem Spruch an, dass er eine - grüne - Fahrkarte für die teurere zweite Klasse möchte. War der Laubfrosch also nur die Snob-Variante - weil kostspieligere - vom französischen Torpedo? 

Wer hat's erfunden? Die Philosophenmama war's!

Wir sagen: Diese knifflige Frage sollen Automobilhistoriker klären. Denn wieder andere sagen, der Spruch "das Selbe in Grün" stamme von den Schopenhauers. Was wir viel überzeugender finden, denn allein über die Frage, ''Dasselbe'' oder ''Das Selbe', also das Selbst?'', kann man ewig philosophieren. 

Verhalten sich VW und Skoda wie Torpedo und Laubfrosch zueinander? 

Und auch bei den Philosophen zeigt sich wieder sozialpolitischer Sprengstoff. Um 1800 berichtet Johanna Schopenhauer folgende Anekdote: Eine der französischen Sprache nicht vertraute Hausangestellte bestellt Textilien mit jenen folgenreichen Worten: „Dieselbe Couleur, aber in Grün“ und gibt dem Verkäufer ein rosarotes Band - das Stoffmuster - wieder zurück. Den Rest können Sie sich jetzt denken...

Warhol oder was? © Unbekannter Meister

Donnerstag, 17. Januar 2013

BUCHTIPP Don Thompson: The $12 Million Stuffed Shark. (...)

Don Thompson: The $12 Million Stuffed Shark. The Curious Economics of Contemporary Art, London 2008, 268p.


Foto © Iven Paschmanns

Natürlich ist der Zusammenhang zwischen Kunst und deren Vermarktung seit den großen Coups der Damien Hirsts, Charles Saatchis und Larry Gagosians der Branche ein großes Thema. Jeder krittelt an der Vermischung der eigentlich getrennt gehörenden Rollen von Künstler, Sammler und Händler, aber alle wollen auch wissen, wie die großen der Szene es schaffen ein Produkt zu kreieren, Angebot, Nachfrage und den Preis scheinbar ohne Einwirkung von Aussen zu steuern.

Thompson erklärt Zusammenhänge, nennt Zahlen und veranschaulicht an Beispielen wie sich Werte entwickeln und wer aus welchem Grund zu dieser Wertentwicklung beigetragen hat. 
Dieses Buch klärt ein paar Fragen, die selbst Kenner überraschen können und wer nicht überrascht wird, wird auf jeden Fall gut unterhalten, denn Thompson spart nicht an Anekdoten und Geschichtchen aus der Kunstwelt.

FAZIT: Ein lehrreiches und gleichzeitig unterhaltsames Buch, nicht nur für Kunstinteressierte


Service:
Man kann das Buch im Buchhandel in der englischen Orginalversion als Print- oder Kindleversion bestellen, von einer deutschen Ausgabe ist uns bis dato nichts bekannt


Dienstag, 15. Januar 2013

Judith Röder - Projektionen

© Judith Röder, Fotografie Helge Articus
Noch bis zum 3. Februar sind in der Kölner Kunststation St. Peter die Arbeiten der Künstlerin Judith Röder zu sehen. Vorab sei grautliert: Die wunderbare Leere des versteckt am Neumarkt gelegenen, spätgotischen, seltsam entrückt wirkenden Sakralbaus harmoniert mit den gezeigten, filigranen Arbeiten. Es ist inmitten der Stadt ein Ort der Stille der zur Reflexion einlädt.

Die Kirche ist aufgrund ihrer Renaissance-Fenster, den präfaschistischen Deckenmalereifragmenten, ihres Rubens und nicht zuletzt aufgrund der außergewöhnlichen Orgel einen Besuch wert. Doch nun widmen wir uns ihrem aktuellen Gast, Judith Röder, die wie wenige ihrer Generation mit dem Medium Glas arbeitet. 

''Die 1981 geborene Künstlerin Judith Röder zeigt Skulpturen aus Glas, Licht und Videoprojektionen, die unsere Wahrnehmung von Zeit und Raum auf den Kopf stellen'', warb die Kölner Kunststation für ihre Mitte Januar eröffnete Ausstellung. Und trotz widriger Wetterverhältnisse lauschte ein gewohnt umfangreiches Publikum den einleitenden Worten und finalen Orgelklängen von Dominik Susteck.

Kunstwissenschaftliches...

Doch - soviel Kritik an der gelungenen Ausstellung darf sein - muss anfangs zunächst betont werden, dass es sich bei den ausgestellten Kunstwerken keineswegs um Skulpturen handelt. Es sind Plastiken, denn Röder schafft ihre Objekte durch das Zusammenfügen, ein Collagieren diverser Materialien, anstatt deren Form wie Skulpturen aus Holz oder Stein ''harauszuschälen.'' Genug davon, entschudligend sei angemerkt das der internationale Kunstmarkt zu vielem verallgemeinernd sculptures sagt...

Der Blick in den Chor. Der Atem der Künstlerin thront wie auf einem Altar 
© Judith Röder, Fotografie Helge Articus

Die in St. Peter gezeigten Werke Röders fügen sich sehr stimmig in den Raum. Sie fallen im positiven Sinne nicht auf, scheinen wie für den Ort geschaffen. Besonders deutlich zeigt sich dies an einer wahrhaft hauchdünnen Glasarbeit, die zentral positioniert ist. Aber wo, wenn nicht nahe dem Chor, sollte auch die Mein Atem genannte filigrane Arbeit an diesem Ort stehen?


In Glas eingefrorener Atem. Die Arbeit trägt den lapidaren Titel Mein Atem und nennt die exakte Zeitspanne, die Sekunde, in der Röder ihren Hauch in Glas blies.
© Judith Röder, Fotografie Helge Articus

Aber würden die Werke Röders fernab von der gelungenen Positionierung nicht an sich bereits eine Ruhe und Aura der Zurückhaltung verbreiten, schien diese bedeutende Positionierung geradezu vermessen. Ihre Aura der Zurückhaltung erlaubt den Pathos. Und so gewinnt die milchige Plastik in der gelungenen, weil unscheinbaren Vitrine eine in ihrer Schlichtheit eindringliche Präsenz von wahrhaft sakraler Schönheit. 

Form finden, Leben einhauchen

Der Atem und die Seele sind nicht nur im Christentum eng miteinander verbunden, viele Kulturen hauchen Leben ein. Und wenn man das Objekt unter Ausblendung des Vorwissens bzw. Titels betrachtet, erinnert es zugleich auch vage an ein Herz. Die Idee der Unsterblichkeit, der ewigen Bewegung und des immerwährenden Werdens - all diese geistesgeschichtlich nicht unbedeutenden Assoziationen finden in sich in dieser schlichten Form, in der Positionerung nahe des Altars, dem Herz der sie umgebenden Architektur.

    Eine geisterhafte Projektion - Pli - auf einer bettdeckenartigen, semitransparenten Platte, die sich an die Wand lehnt. © Judith Röder, Fotografie Helge Articus

Betrachtet man die Arbeit Pli genauer scheint man eine sich wie im Schlaf wälzende Figur zu erkennen. Pli wie wie Plumeau?  © Judith Röder, Fotografie Helge Articus


Ein an Wasseroberflächen erinnerndes Spiel mit Reflexionen findet sich auch im Erdgeschoss, Röder durfte diese Arbeit schon vor der Weihnacht installieren. Lumen heisst das wie Pli aus Beamer, Film und Glas als Projektionsfläche bestehende Werk. Es strahlte wie das Licht der Welt - wie ihr Atem - an einem besonderem Ort. Und weil seine Erscheinung sich so stimmig in die Funktion des Ortes fügte, integrierte die Gemeinde das recht abstrakte Kunstwerk in seine Rituale.

Stetige Reflexionen und das Licht der Welt


Lumen, leider nur eine Detailansicht. © Judith Röder, Fotografie Helge Articus

Neben Pli, Lumen und dem Atem zeigte Röder noch die Arbeit Projektion III, eine Schichtung von schneinbar gefalteten Projektionsflächen, die nahe den Fenstern der Kirche positioniert mit einem Video bespielt wurden, das sich im Winde wiegende Bäume zeigt.

Licht, Bewegung, Stille


Schon hier mag so mancher an die verspielten Videocollagen Hockneys im Museum Ludwig gedacht haben, doch das Motiv, Röders Naturstudien, findet sich auch in dem kleinen Raum im Emporengeschoss wieder. Auf Glasplatten und einem hypnotischen Schwarz-Weiß-Video widmet sich die Künstlerin dem Rauschen des Waldes, das im Kopf der Betrachters erklingt, sobald er die Werke sieht. So wie sich beim Betrachten von Meer- und Strandbildern stets auch das Meeresrauschen einstellt.

Ein Blick auf Projektion III © Judith Röder, Fotografie Helge Articus

Die Fragilität der Bildträger bzw. Projektionsflächen spiegelt sich auch in der wacklig anmutenden Konstruktion von Projektion III. Neben den an das Staunen der Impressionisten erinnernden Themen Licht(-reflexion), Wasser(-oberflächen) und dem Rauschen der Bäume ist es vor allem an Funktionalität orientierte, schlichte Präsentation der Werke, die überzeugt.

Die Kunst des Staunens

Wissenschaftliche Neugier, Naturstudie und - auch philosophisch-religiöses - Staunen finden zusammen, denn der verspielt zarte Atem hat viel mit dem sich stets neu brechenden Licht, dem Wind und den Millionen Blättern des Baumes gemein...

Service:
 - Informationen über die Kunststation St. Peter
- Homepage der Künstlerin Judith Röder

Tipp:
An jedem ersten Sonntag im Monat erklingt um 19.30 Uhr die Orgel.

Freitag, 11. Januar 2013

Es ist nie zu spät: Alles Gute für 2013

© Gerd Mörsch
Liebe Leserinnen und Leser, wir hoffen doch sehr, dass Sie nicht mehr dizzy sind vom Jahreswechsel und wünschen Ihnen alles Gute. Bitte halten Sie sich fern von offenen Fenstern und lassen Sie sich auch nicht - wie Kafkas Maus - in die Münder von hinterlistigen Katzen leiten. In diesem Sinne, alles wird gut und auf bald!  

Dienstag, 8. Januar 2013

Tipp - Museu Fundación Juan March, Palma de Mallorca

Für Besucher von Palma ein Muss, genau wie in den nahe gelegenen Markthallen ein paar Austern, Berberechos oder Miesmuscheln zu einem Glas Verdejo oder Muscat zu geniessen.

© Iven Paschmanns
Die Fundación Juan March befindet sich in einem Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert auf einer der beliebtesten Einkaufsstrassen im Zentrum Palma de Mallorcas. Juan March kaufte es 1916 und es wurde zunächst als Bankhaus genutzt. Trotz der unterschiedlichen Bau- und Renovierungsphasen, behielt das Gebäude einen einheitlichen Charakter und ist heute als Museum nicht nur eine Herberge für einen kunsthistorischen Schatz, sondern selbst ein Kunstwerk.


© Fundación Juan March


Fußbodendetail, © Fundación Juan March


Die Fundación Juan March beherbergt eine ausgewählte Sammlung an Kunst des 20. Jahrhunderts. Vor allem spanische und speziell katalanische und balearische Künstler stehen im Mittelpunkt.  Es sind zahlreiche Werke Picassos, Dalís, Mirós, Tàpies, Barcelós, Chillidas, Palzuelos oder Cuixarts ausgestellt - unmöglich alle Künstler zu nennen!


Modest Cuixart: Pintura, 1959, © Fundación Juan March

Antoni Tàpies: pintura-collage rosada, 1964 © Fundación Juan March


Es handelt sich inhaltlich um eine exquisite Sammlung in einem fantastischen Gebäude, der Eintritt ist gratis - es gibt nicht mehr dazu zu sagen, es ist schlicht ein Muss für jeden Palma-Besucher!

Service
http://www.march.es/arte/palma
Eintritt gratis
Mo-Fr 10:00-18:30
Sa 10:30-14:00
So u. Feiertags geschlossen

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Wahnsinn - Danke - Weiter so!

© Unknown streetart talent based in Berlin

Weihnachtliche Verlosung: kunstlich.com verschenkt signierten rattus norvegicus-Katalog


Von Glühwein und Schneegestöber verwirrt konnten wir unseren Augen kaum trauen, bald sind annähernd 25.000 Besucher bei uns gewesen. Leider können wir den 25.000 Informations- bzw. Unterhaltungskunden nicht persönlich am Eingang begrüßen - denn es weihnachtet ja doch schon sehr. Um unseren treuen Lesern oder auch jenen Hans-im-Glück-Besucher, der zum ersten Mal unsere Zeilen liest, zu belohnen, gibt es passend zur Saison das supa-mega-Weihnachtspaket: 

kunstlich.com sendet dem 25.000 Besucher des blogs den zurecht in Kürze ausverkauften Katalog der inzwischen legendären Ausstellung rattus norvegicus (Blick in den Katalog hier).

Wahnsinn! O% auf alles ohne Stecker?

Und so geht's: Sollten Sie - verehrter Kunde und Besucher - die Zahl 25.000 bei den visits unseres blogs sehen (unten rechts in der sog. sidebar), schnell ein Bildschirmfoto (auch screenshot genannt) machen.



Für alle Anti-Nerds hier die Anleitung...

PC: PRINT SCREEN-Taste, dann ist das ''Foto'' im Zwischenspeicher und kann mit Strg+V bzw. Einfügen eingefügt werden ;-)

Apple: CMD+SHIFT+3 oder CMD+SHIFT+4 

und dann das beweiskräftige Dokument an info@kunstlich.com senden.

Wir wünschen viel Glück und Segen und Entspannung in den kommenden Tagen. Und sollte diese Episode in Kürze für immer vorbei sein, bedanken wir uns vorab schon einmal herzlich bei allen, die dabei waren.

Gerd Mörsch und Iven Paschmanns
(seit fast 3 Jahren kunstlich.com.blog Autoren)


PS: Nicht die postalische Adresse vergessen, damit wir den Katalog zusenden können.

PPS: Wer einfach so mal mitmachen bzw. den blog unterstützen will, ist - wie immer und alle - herzlich zur Rubrik PKK - Postkartenkritik) eingeladen.
 
PPPS: Kleiner Hinweis am Ende: Manipulierte Fotos werden von unserem staatlich geprüften Notar - Sie wissen schon, der von Wetten dass - an dieser Stelle hier samt postalischer Adresse des Fälschers sowie kriminologischen Gutachten über jenen an den digitalen Pranger genagelt...

Montag, 17. Dezember 2012

MOMO und das Ende der Welt: thisisnottheend

Navid Nuur: THEORY, 2012
© the artist, courtesy Mihaela Lutea

Einschub: Zugegeben, auch wenn wir in Kürze mal wieder anlässlich des allgemeinen Keine-Zeit-Wahns (und den herrlich rebellischen Forderungen des Sozialethikers Christopher Ricke) auf Momo und die grauen Männer eingehen werden, wollen wir uns mit diesem Tipp beeilen, sorry. 

Denn in der post-dOCUMENTA (13) Stadt Kassel eröffnet in Kürze, an jenem bemerkenswerten Datum, das viele aufgrund von wie auch immer gearteten Missverständnissen das Fürchten lehrt, eine interessante Ausstellung, deren Titel thisisnottheend wiederum auf jenes Datum zu verweisen scheint. 

Keine Panik

Natürlich ist das alles total meaningful, wie man auf der Arbeit von Navid Nuur sehen kann. Und es gibt definitiv Schlimmeres, als als auf einer Vernissage mit netten Menschen und Gesprächen über Gott und die Welt dem Ende eben jener entgegen zu streben.

Also zum zweiten Mal in diesem Jahr: Auf nach Kassel!

Service:
- vorbildlich detaillierte Informationen findet man hier, grundlegende weiter unten
  

Alle Jahre wieder auf den letzten Drücker?

Mittelalter- und Nachkriegsarchitektur verschmolzen - ein Blick in die Kölner artothek. Die wunderbaren, eben erst renovierten Räume werden auch für Ausstellungen genutzt.
© artothek Köln

Alle Jahre wieder freut man sich auf solche und ist leider doch auch oft gestresst vom Geschenkewahn unserer Zeit. Daher hier für alle, die - warum auch immer - noch nichts für ihre Lieben haben, ein Tipp für die letzten Tage. Es handelt sich um ein wahrhaft nachhaltiges Geschenk: Ein artothek-Gutschein.

Das Prinzip der artothek wird im Berichtvon Gerd Mörsch für die Deutsche Welle kurz und knapp beschrieben. (Falls dieser Link hier nicht funktioniert, bitte einfach nach Beuys artothek und Gerd Mörsch suchen).

Daher folgt hier - noch kürzer - eine Liste mit den grundlegenden Infos:

1. Für rund 10 EUR (inklusive Versicherung!) kann man einen artothek-Gutschein für eine Ausleihe erwerben. Mit diesem können die Beschenkten - je nach artothek - bis zu 8 Wochen ein von ihnen ausgewähltes Kunstwerk in ihren eigenen vier Wänden aufhängen.

2. Das Ganze ist nicht nur unschlagbar günstig, sondern auch den Titel Prozedere eigentlich nicht wert, denn man muss sich lediglich einmal anmelden (mit Ausweis). 

3. Keine Risiken, nur Gewinner: Denn
3a) die artothek ist eine gemeinnützige Institution, die Künstlern und Kunstinteressierten hilft 
3b) nicht kunstvertraute Menschen können sich dem Sujet einfach und selbstbestimmt annähern und zugleich eine gemeinnützige Institution unterstützen
3c) Kunst wird gesehen, vielleicht sogar geliebt und wer weiß schon, welche unabsehbaren Folgen (Kunstsucht?) dieser Prozess noch mit sich bringt...

PS: Auch für Kinder ist der Ausleihprozess ein Spaß und kann zu einem müßiggängerischen Familienritual werden: Alle 6-8 Wochen neue Lieblingswerke entdecken!

PPS: Wer will, kann das erste Werk für seine Lieben auswählen und so ein wenig angeben à la: Ich habe keine Kosten und Mühen gescheut und euch einen Beuys, Christo, Calle oder was auch immer mitgebracht, Hoho!

PPPS: Also dann frohes und vor allem besinnliches Fest!

Service:
Homepage des artotheken-Verbands mit Suchfunktion für Kunstleihen in der Nähe

Sonntag, 16. Dezember 2012

Dienstag, 4. Dezember 2012

Vom Ende der Privatheit?

© Gerd Mörsch

In der Frankfurter Schirn Kunsthalle läuft eine interessante Schau zum Thema Privatsphäre. Vom Ende des Doppellebens nennt Ulrike Knöfel ihre Rezension der Ausstellung. Kaum überraschend ist das Fazit der Autorin, derzufolge sich der Begriff des Privaten auflöst. Spannender ist jedoch die Frage, ob wir diese Tendenz als befreiend oder bedrohlich empfinden sollten.


Indirekt haben wir - kunstlich.com - dieses Thema schon oft behandelt (siehe hier) und spätestens mit dem inzwischen legendären Zitat des umstrittenen Mark Zuckerberg - Privatheit ist eine obsolet gewordene soziale Norm - dürfte es bei den meisten angekommen sein.

Leider denken viele, wie es Zuckerberg und Co. so oft formulieren: Ich habe nichts zu verbergen und daher habe ich keine Angst vor dem Ende der Privatheit. Bis zur damit verbundenen totalen Überwachung ist es nicht mehr weit.

Was hätten Autoren wie Orwell oder Bradbury zu Zuckerberg und seinen Thesen gesagt?
 

Es ist schon seltsam: Die noch vor wenigen Jahrzehnten in Dystopien ersonnenen elektronischen (oder wie auch immer gearteten) Fußfesseln, die der totalen Überwachung und dem Erhalt ebensolcher totaler Systeme dienten, werden heute teuer auf dem freien Markt angeboten und der vermeintliche freie Konsument begibt sich selbst freiwillig in sein unfreies Schicksal. 

Post-Privacy oder vom Lauf der Zeit als übermächtigen Gegner  

So schreibt Melanie Mühl für die FAZ und liest die Ausstellung als Warnung. Knöfel wählt die Werke von Billingham und Emin, deren noch vor wenigen Jahrzehnten irritierende Kunst eine Frage implizierten, die bis heute unbeantwortet geblieben sei: Ist die Idee, dass das Private seine Bedeutung verliert, eine befreiende oder eine bedrohliche?

Es war einmal: Schlüssellochspionage und Gardinenverbot
 

Wieder zeigt sich das avantgardistische Potential der Kunst. Denn nur wenige Jahre vor Reality-Shows und Formaten wie Big Brother verstörten Werke wie Emins Bett noch das Publikum - von Warhols frühen Werken mal ganz abgesehen. Während es heute scheinbar keine intimen Szenen aus dem Privatleben mehr gibt, die man nicht in TV-Formaten oder Internet findet.

Und die Moral der Geschichte?
 

Knöfels Kommentar endet mit den oft paradiesisch anmutenden Fotografien des New Yorker Künstlers Ryan McGinley. Junge Menschen klettern nackt wie in Hesses Zeiten, laufen ebenso über Autobahnen oder springen in idyllisch anmutende Flüsse.

Trotz der nicht ausgeklammerten, auf den zweiten Blick sichtbaren Schattenseiten des vermeintlichen Hippie-Kultur erkennt die Autorin in ihnen eine Vision: ''Das ideale Privatleben könnte einem das Gefühl von Freiheit vermitteln.''


© Ryan McGinley
Courtesy of the artist, Alison JacquesGallery, London, Team Gallery, New York, und Bischoff Projects, Frankfurt

Fakten / Hintergrund:
Die Ausstellung zeigt Werke von Ai Weiwei, Michel Auder, Merry Alpern, Evan Baden, Richard Billingham, Mike Bouchet, Stan Brakhage, Sophie Calle, Tracey Emin, Hans-Peter Feldmann, Nan Goldin, Christian Jankowski, Birgit Jürgenssen, Edgar Leciejewski, Leigh Ledare, Leo Gabin, Christian Marclay, Ryan McGinley, Jenny Michel und Michael Hoepfel, Marilyn Minter, Gabriel de la Mora, Mark Morrisroe, Laurel Nakadate, Peter Piller, Martha Rosler, Jörg Sasse, Dash Snow, Fiona Tan, Mark Wallinger, Andy Warhol, Michael Wolf, Kohei Yoshiyuki, Akram Zaatari.


Service:

Schirn Kunsthalle Frankfurt
Römerberg
60311 Frankfurt
Tel 069.29 98 82-0
welcome@schirn.de
Link zur Ausstellung

Öffnungszeiten:
Dienstag, Freitag – Sonntag: 10–19 Uhr
Mittwoch & Donnerstag 10–22 Uhr

 

Eintrittspreise:
7 €, ermäßigt 5 €, 

freier Eintritt für Kinder unter 8 und Kinderkunstclubmitglieder
Familienticket14 €
Ermäßigung gilt für Studenten, Schüler, Senioren, Schwerbehinderte mit Begleitpersonen und Arbeitslose.

Fragwürdig:
Leider gibt es keine Chance die Ausstellung kostenlos zu sehen, wie es viele Institutionen zumindest einmal im Monat anbieten. Außderdem: Die Ermäßigung für Senioren gilt für Frauen ab dem 63. und Männer ab dem 65. Lebensjahr.

 

Rezensionen:
- Der Spiegel 44/2012: Knöfel, Ulrike: Ende des Doppellebens
- FAZ 1.11.2012: Melanie Mühl: Wer soviel Ich ist, weiß nicht, wer er ist
- FR-Interview mit Edgar Leciejewski