Mittwoch, 14. Juni 2017

Köln - Performance Garten - 22. Juni


Und hier ein weiterer Tipp zur Renaissance des Performativen, von der wir zuletzt ja bereits berichtet haben. Mitte Mai endete ein Anruf, gesucht wurden Arbeiten, die etwa 20 Minuten dauern und auf das Thema sound‧silence Bezug nehmen. Man darf also gespannt sein.

Hintergrund: Performance Garten ist eine öffentliche Abendveranstaltung für Interessierte rund um Performance Art. Das Format ist geöffnet für alle, die etwas zeigen wollen, und alle Neugierigen, die zuschauen möchten. Sowohl künstlerischem Nachwuchs als auch erfahrenen Performancekünstler*innen bietet der Performance Garten eine Bühne. Im Vordergrund stehen Performances aus den bildenden Künsten, wobei transmediale Formen willkommen sind.

Service

Performance Garten V
22. Juni - 17 Uhr
Neues Kunstforum - Alteburger Wall 1 - 50678 Köln 

Kontakt: performancegarten@gmail.com

Links  

www.neues-kunstforum.de und www.facebook.com/performancegarten

Montag, 12. Juni 2017

Wesel: Unkraut geht seltsame Wege - Dorthe Goeden und Hyun-Gyoung Kim

Passt wie die Faust auf's Auge © Dorthe Goeden und Hyun-Gyoung Kim, VG Bildkunst und
Foto: Dorthe Goeden

Mal ehrlich, was wäre die deutsche Kunst ohne die Provinz? Nein, wir meinen hier nicht die berühmten Editionen aus Bochum. Es geht eher um die renommierteste Ausstellung für zeitgenössische Kunst, von der ja viele sagen, ihr Erfolg liege wesentlich darin begründet, dass sie in der Provinz stattfinde...

Also zurück zum Thema, auf in die nun niederrheinische Provinz: Wer kennt Wesel, Hände hoch! Wer war schon mal da? … Ja, so ungefähr darf man sich auch die Website der - sich selbst noch immer stolz als Hansestadt beschreibenden - Kommune zu Ihrem Museum vorstellen. Aber die folgenden Abbildungen machen dann doch Lust auf ein Wandeln durch die ungewöhnlichen Räume…

Abstrakt und figurativ, Flora und Fauna, Mensch und Tier im Fluss... © Dorthe Goeden und Hyun-Gyoung Kim, VG Bildkunst und Foto: Dorthe Goeden

Denn Hyun-Gyoung Kims Fabelwesen fügen sich wie die meist abstrakten Scherenschnitte von Dorthe Goeden scheinbar perfekt in die vorhandene, durch die Oberlichter futuristisch anmutende Architektur. Da wir über das Werk von Dorthe Goeden bereits mehrfach berichtet haben – einfach Dorthe Goeden in das Suchfeld eingeben, Suche starten und schon werden alle Artikel angezeigt – konzentrieren wir uns hier auf die Hyun-Gyoung Kims.

Kaum zu glauben, dass die filigranen Papierarbeiten Handarbeit sind. Sie brauchen Luft, Platz zum Atmen in der Rahmung und entwicklen dort erneut spannende Schattenspiele. © Dorthe Goeden und Hyun-Gyoung Kim, VG Bildkunst und Foto: Dorthe Goeden

Ihre anthropomorphen Fabelwesen werden durch minimale Eingriffe individualisiert, auch wenn die monochrome Lackierung der aus Acrylharz geschaffenen Plastiken als Versuch, dem entgegen zu wirken interpretiert werden kann. Der asiatischen Filmkunst vertraute Betrachter mögen an Figuren aus Prinzessin Mononoke und auch Das wandelnde Schloss denken, zwei jüngere Produktionen von Hayao Miyazaki. 


Fabelhaft, auch der Schattenwurf der Eule am linken Rand der Abbildung. © Dorthe Goeden und Hyun-Gyoung Kim, VG Bildkunst und Foto: Dorthe Goeden

Wobei die Fußpilz-Gruppe – welche ein Sprachwitz – durchaus auch an andere fantastische, weniger asiatische Formate wie etwa Alice im Wunderland von Charles Lutwidge Dodgson erinnert.  Es wuchert, findet immer eigenen Wege, dieses von der Einbildungskraft genährte, künstlerische Unkraut. Und dem Kind gebliebenen Besucher der Ausstellung mag die Vorstellung gefallen, wie die weißen, fabelhaften  Figuren nachts im Ausstellungsraum umherirren… 

Service
Dorthe Goeden und Hyun-Gyoung Kim: 

Unkraut geht seltsame Wege
noch bis zum 9. Juli


Niederheinischer Kunstverein @ Städtischen Museum - Galerie im Centrum
Ritterstraße 12 (am Kornmarkt) - 46483 Wesel
Öffnungszeiten di-fr 10:30-18:30, sa 10:00-13:00 so 11:00-17:00

Links

- die Website der Künstlerin Hyun-Gyoung Kim, hier 
- die Website der Künstlerin Dorthe Goeden, hier
- die Stadt Wesel über Dorthe Goeden und Hyun-Gyoung Kim: Unkraut geht seltsame Wege, hier  
- der Niederheinische Kunstverein über Dorthe Goeden und Hyun-Gyoung Kim: Unkraut geht seltsame Wege, hier
- die NRZ stellt das Kunstjahr 2017 in Wesel vor (warum eigentlich erst Mitte des Jahres? …) und erwähnt die Ausstellung Unkraut geht seltsame Wege, hier 

- einen Artikel kann man das eigentlich nicht nennen, wir verweisen dennoch darauf, die NRZ über die Ausstellung Unkraut geht seltsame Wege, hier

Samstag, 10. Juni 2017

ERÖFFNET: die documenta 14 in Kassel...


Ein Screenshot, ein Ausschnitt der documenta 14-Website, zu sehen ist das für Kassel reaktivierte, modifizierte Werk "The Parthenon of Books" der argentinischen Künstlerin Marta Minujin. Das monumentale Werk stellt sogar das Fridericianum in seinen Schatten, nicht zuletzt abends, wenn es illuminiert wird und an die Bücher-Feuer in und vor dem Fridericianum erinnert. © documenta 14 und Marta Minujin  

Jetzt, 10:00 CET am 10. Juni 2017 ist es soweit: Nach Fachpublikum, VIPs und Presse stürmt nun das gemeine Volk die aktuelle Ausgabe der wohl renommiertesten Ausstellung für zeitgenössische Kunst. Wir haben vor zwei Tagen bereits ausführlich kommentiert und Kritiken collagiert, daher hier nur eine Ergänzung der vorhandenen Links. 

Dank der intensiven Berichterstattung von Deutschlandfunk Kultur konnte man schon an der Preview teilnehmen, ohne selbst in Kassel sein zu müssen. Die Kooperation zwischen dem Sender und der Ausstellung geht aber noch weiter: "Every Time A Ear di Soun" (meaning every time I heard that sound...)  ist eine gemeinsame Radiokunst-Ausstellung von documenta 14 und Deutschlandfunk Kultur. 

30 neue Hörstücke von internationalen Künstler*innen werden ausgestrahlt. Und diese Klänge werden von acht Rundfunksendern auf der ganzen Welt gesendet. Auch hier eröffnet die documenta Kommunikationsfenster an neuen Orten. Während wir diese Zeilen schreiben hören wir RURUradio from Jakarta, Indonesia. Während des documenta-Zeitraums, also noch bis zum 17. September sind die Hörkunstwerke aber natürlich auch  im Klangkunstprogramm von Deutschlandfunk Kultur zu hören...
  

Hier folgen nun weitere aktuelle Interviews, Gespräche und Kritiken zur documenta 14, mehr folgt wie gewohnt in Kürze... 

- documenta 14 – Kritikergespräch über die Zwillings-documenta. Ingo Arend und Carsten Probst vermissen eine zugespitzte These, vor allem eine ästhetische (und schließen sich somit Harald Kimpel an, der die Kernaufgabe der documenta nicht erüllt sieht). Vom gesellschaftspolitischen Wert der Raubkunstprojekte und Athener Sammlung im Fridericianum sind die beiden Kritiker überzeugt. Eine peinliche, beschämende, weil die Politik der letzten Jahrzehnte entlarvende Feststellung: 2017, also 72 (!) Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs wird die Thematisierung von Raubkunst in Deutschland als gesellschaftpolitisch wertvoll erachtet... Was würden wohl die Enteigneten sagen? (Deutschlandfunk - Kultur heute - 08.06.2017)
 

- documenta 14 - Die Kunst erobert neue Orte in Kassel: Zwei Monate nach dem Start in Athen eröffnet die documenta nun in ihrer Heimatstadt Kassel. Die zuletzt bei Immobilienspekulanten besonders beliebte Kommune hat (trotz aller Gentrifizierungs- und Modernisierungsmaßnahmen der letzten Jahre) noch immer Brachflächen, Ruinen und somit Entwicklungspotential. Auch die d14 ort besetzt traditionell und temporär neue Orte, diesmal die Nordstadt und die sogenannte "Neue Neue Galerie". (Deutschlandfunk - Kultur heute - 08.06.2017)
 

- Raubkunst auf der documenta 14: Raubkunst auf der documenta 14" - Viele Leute wissen gar nichts davon" Die Künstlerin Maria Eichhorn hat das "Institut zur Erforschung von Raubkunst in deutschem Privatbesitz" gegründet. Und Menschen dazu aufgerufen nachzusehen, ob sie Objekte aus jüdischem Besitz haben. Das Raubkunst-Tabu betrifft ja nicht nur die großen Museen, die jahrzehntelang weigerten, sich mit dem braunem Sumpf, dem viele ihrer Werke entstammen zu widmen. Aber auch viele private, glückliche Kunsterben drücken sich um die Frage nach den Umständen des Erwerbs. In diesem Sinne  meint Eichhorn: "Unserem Institut geht es eher um die gesamte Gesellschaft". Also weniger weniger um Kunst? Chapeau! Mit Kunst zu sagen, es gehe nicht um Kunst, das klingt nach beuysschem Augenzwinkern. (Deutschlandfunk - Kultur heute - 08.06.2017)
 

- daskönnteichsein oder die Ästhetik der Identifikation - Miriam Cahn im Gespräch Vladimir Balzer über ihren zweiten, nun realisierten documenta-Anlauf. Die Schnellmalerin Cahn erläutert ihren Ansatz, ihren Drang und warum sie jedes Bild penibel datiert. Spannend ist auch ihre Antwort auf die Frage, warum 1982 trotz ihrer Einladung als Künstlerin nicht in Kassel im Rahmen der documenta 7 zu sehen war. So viel Entschlossenheit und Konsequenz beeindruckt. Abschließend liefert Rudolf Schmitz noch ein erstes Fazit der in der documenta-Halle ausgestellten Kunst. (Deutschlandfunk Kultur Fazit - 08.06.2017) 

- documenta 14 - "Es reicht einfach nicht mehr aus, an einem Ort zu sein" - die künftige Inhaberin der documenta-Professur Nora Sternfeld und DLF-Kritiker Rudolf Schmitz im Gespräch mit Vladimir Balzer über die doppelte documenta, Wanderbiennalen und die Identität der BRD und der documenta. Nach dem eher mediokren Start der documenta-Professur 2013 und deren inhaltsleere bzw. gefällige Thesen und Kommentare anlässlich des Jubiläums 2015 versucht Kassel nun also einen Neustart. Viel Zeit bleibt nicht mehr, zeitgenössische Kunst in Theorie und Praxis wir an vielen anderen Orten schon lange erforscht und gelehrt, ob Kassel da nach Jahren im Dornröschenschlaf noch anschließen kann, wird sich zeigen (Deutschlandfunk Kultur - Fazit 08.06.2017)
 

- eine spannende Installation auf der documenta 14 - das Leben in der Röhre - Künstler Hiwa K im Gespräch mit Vladimir Balzer über seine prominent platzierte Installation aus Abwasserrohren, mehr über Hiwa K hier (Deutschlandfunk - Kultur heute - 08.06.2017)

Donnerstag, 8. Juni 2017

Coming soon: After Athens - die documenta 14 in Kassel

Das Bild zeigt einen Besucher der documenta 14 GESTERN Kasseler Fridericianum in der Installation  _Abacus_ des griechischen Künstlers George Lappas. © Deutschlandfunk Kultur, Foto: dpa / picture alliance / Swen Pförtner.

Übermorgen ist es soweit: Dann darf nach Fachpublikum, VIPs und Presse auch das gemeine Volk die aktuelle Ausgabe der renommiertesten Ausstellung für zeitgenössische Kunst erkunden. Natürlich ist dank der im Frühling bereits in Athen eröffneten documenta 14-Version (oder Ausgabe?) schon einiges bekannt. Dennoch ist der Besuch in Kassel in MUSS.

Denn die nur alle 10 Jahre mögliche Grandtour der zeitgenössischen Kunst - Kassel, Münster, Venedig und diesmal auch Athen - ist ein einzigartiges Erlebnis. Daher werden wir natürlich ausführlicher berichten und liefern an dieser Stelle vorab ein paar Themen und Sendungen zum Nachhören und -lesen. 

Vorbereitet macht die Kunstexkursion eh viel mehr Spaß, denn je nach documenta-Saison ist Schlangestehen leider auch ein Muss. Daher sind Fragen wie 'Was muss, was will man eigentlich sehen?' durchaus relevant... Hier folgt nun - nach ein paar einleitenden Gedanken - also ein Einstieg für alle jene, denen es bisher nicht möglich war, sich intensiver mit der 14. Ausgabe der - peinlicherweise auch mal so genannten - Weltkunstausstellung zu beschäftigen. Es gibt viele neue, aber auch altbewährte oder reaktivierte Ansätze und sogar Kunstwerke. 

Keine deutschen Kunstsubventionen für Athen?

Bereits das Motto der aktuellen documenta-Ausgabe 'learning from Athens', das bereits 2013 für Aufsehen in der Kunstwelt und Panik bei vielen Kasselänern, Kasselanern und Kasselern sorgte, weil sie um den schnöden, aber lieb gewordenen (Kunst-)Mammon fürchteten, deutet an, dass es eine eher politische (Kunst-)Veranstaltung sein wird. 

Dass die Bürger der lange als Mauerblümchen verschmähten, weil nahe dem ehemaligen Zonenrandgebiet gelegenen, Stadt die griechische Konkurrenz fürchteten, ist kein Wunder. Denn der alle 5 Jahre stattfindende Kunst-Mammon und -Marathon verleiht der mittelgroßen, nordhessischen Metropole zumindest temporär den Anschein einer echten Metropole. Und von den durchaus bemerkenswerten documenta-Einnahmen der Hoteliers, Handwerker und anderer documenta-Dienstleister ist eh nur zu Wahlkampfzeiten die Rede...  

Das soll Kunst sein? Skandal!

Das zunächst eher schwierige, im Laufe der Jahrzehnte aber durchaus liebevolle und inzwischen teils stolze Verhältnis der Bürger der Stadt und der umliegenden Region zur documenta an sich ist bereits ein bemerkenswertes, kulturhistorisch, um nicht zu sagen rezeptionstheoretisch interessantes Phänomen. Aber davon kann und soll hier nun wirklich nicht die Rede sein...
     
Der den Lesern dieses Blogs vertraute, frisch umbenannte Kultur-Radiosender Deutschlandfunk Kultur hat sich der documenta naturgemäß besonders intensiv angenommen. Hier nun endlich (!) die schon zu Beginn versprochenen Sendungen zum Nachhören und -lesen, die Links sind kursiv markiert...

- In Kürze – for free: documenta-Kunst im Radio: Ursendung | KLANGKUNST EXTRA zur documenta 14: Every Time A Ear di Soun Atlas Radio | In the Woods There Is A Bird . . . | Speech | ALLGEGENWART | All Lives Matter From Slaveship to Spaceship Klangkunst | 09.06.2017 00:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur geht neue Wege und hat eine intensive Kooperation mit der documenta begonnen, Radiokunst ist nicht neu, das documenta-Portal des Senders aber schon…


- Nach dem Kölner NSU-Tribunal: documenta-Projekt über NSU-Morde "Die Gesellschaft muss weiter Fragen stellen" Eyal Weizman und Ayse Gülec in einem erhellenden Gespräch mit Vladimir Balzer (Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 08.06.2017)

- Martin Roth "Kunst muss politisch sein" Ausgerechnet Martin Roth, der in Venedig für den von ihm kuratierten Pavillon teils heftig kritisiert wurde? Spannend! Es sei mutig gewesen, so Roth im Gespräch, mit der documenta nach Athen zu gehen, er habe das zunächst nicht verstanden und auch nicht verstehen wollen… Aha! (Deutschlandfunk Kultur, Studio 9, 08.06.2017)

- documenta 14 - Gelungener Kunsttransfer zwischen Athen und Kassel Ganz frisch: Kunstkritikerin Claudia Wheeler erläutert im Gespräch mit Sigrid Brinkmann ihre ersten Eindrücke von der Kasseler-Version der diesjährigen documenta (Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 07.06.2017) 


- Tragödie unter der Erdoberfläche: Das vergessene Relief "Gläserne Stadt" von Dieter von Andrian. Eine erste Besprechung eines wiederentdeckten, vom Verfall, nein von drohender Zerstörung gefährdeten, historischen documenta-Kunstwerkes. Das sollte man sich anschauen, bevor der Beton das Werk verschluckt. Während andere Werke mit viel Geld für angekauft werden, versinken andere…interessant…(Deutschlandfunk Kultur, Studio 9, 07.06.2017)

- documenta 14 in Kassel - Mehr Effekt als künstlerischer Inhalt? Sehr schön. Der eloquente Ex-Stadt Kassel Mitarbeiter und documenta-Experte Harald Kimpel, der seine Dissertation der Ausstellung widmete und seit Jahren als einer DER documenta-Experten gilt, kommentiert, ehrlich und auch skeptisch…(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 07.06.2017)

- Kunstwerke des griechischen Nationalmuseums in Kassel - "Die Kooperation mit der documenta ist enorm wichtig" Nachdem die Präsentation der Gurlitt-Sammlung im Rahmen der documenta nicht möglich war (oder sein sollte?), reifte schnell der Plan, die unbekannte Athener Sammlung in Kassel zu präsentieren, ein starkes Signal, das hoffentlich viel Energie nach Athen sendet und die Arbeit des EMST befördern wird… (Deutschlandfunk Kultur, Studio 9, 07.06.2017)

- documenta in Athen - "Das Publikum wird staunen!" Ein spannender Blick von außen: Katerina Koskina, Leiterin des Museums für zeitgenössische Kunst in Athen (EMST), spricht von einer historischen Entscheidung (für beide Seiten), denn so kaum jemand, so Koskina, kenne die künstlerischen Realitäten in Griechenland… (Deutschlandfunk, Kultur heute, 11.03.2017)

- UTOPIEdocumenta - Zeigen, was die documenta nicht gezeigt hat Und wieder Harald Kimpel: Dank der Wunderkammer documenta Archiv konzipierte er eine Ausstellung, die sich nicht realisierten Entwürfen aus der documenta-Geschichte widmete, zugegeben ein Kompromiss innerhalb des damals noch nicht eröffneten Stadtmuseums, eine (stadt-)politisch motivierte Ausstellung im documenta-Jubiläumsjahr (Deutschlandfunk, Corso, 30.10.2015) 


- 60 Jahre documenta in Kassel - Eine beispiellose Erfolgsgeschichte Ein gelungener Einstieg in die wechselvolle, unglaubliche Erfolgsgeschichte einer Weltkunstausstellung in der hessischen Provinz…(Deutschlandfunk Kultur, Kalenderblatt, 15.07.2015)

Mehr folgt in Kürze und pssssssst: Mit Hilfe der Suchfunktion kann man weitere kunstlich-Beiträge zum Thema documenta schnell finden...

Montag, 5. Juni 2017

Köln - Kunst in der guten Stube...


Seit vielen Jahren ist diese kleine aber feine Ausstellung im Kölner Süden für eine Überraschung gut. In den Privaträumen des Betreibers eines legendären Clubs wird in angenehm unaufgeregter Atmosphäre eine Auswahl von Arbeiten charmant präsentiert. 

Diese Wohnzimmer-, sorry, Stubenausstellung ist eine Reise in den Kölner Süden wert und wird an dieser Stelle daher nun entsprechend beworben.

Nach unserem Besuch sei gesagt, dass wir uns in die mehrteilige Arbeit von Peter Sutter (Thema industrielle Auftragsmalerei im 20. Jahrhundert) und die geisterhaften, abfotografierten Zeichungen von Julia Hübner verguckt haben... 

Stubenausstellung 2017
Volkgartenstraße 26
50677 Köln

Mit Werken von Peter Busmann, Julia Hübner, Julia Hansen, Anne Kaminsky, Raimund von Luckwald, Jürgen Stollhans und Peter Sutter.

Vernissage: Samstag 10. Juni 18 Uhr
Finissage: Samstag 8. Juli 18 Uhr

Öffnungszeiten: sonntags 14-18 Uhr
Kontakt 0221 1693 6720

Freitag, 2. Juni 2017

Bochum: Kunst kaufen - PROVINZ-Editionen Schaufenster No. 5

Da schien die (Familien-)Welt noch heil zu sein... Ein Foto aus Achim Duchows Serie "Jeden Tag ein neues Abenteuer" (1975-78), Provinz-Editionen vertreibt 12 Motive in einer Kassette, C-Print, je 20 x 30 cm, Edition: 10 + 3 EA. Natürlich mit Nachlassstempel, datiert und nummeriert.

Auch die Bochumer PROVINZ-Editionen haben wir an dieser Stelle bereits mehrfach beworben. Denn der kleine aber feine Laden mit seinem Stammsitz im Pott hatte zuletzt die Gelegenheit, die von ihm vertriebenen Werke prominent in der Recklinghausener Kunsthalle zu präsentieren.
 
In Kürze gibt es in Bochum wieder eine Fortsetzung der Provinz-Schaufenster-Ausstellungen vis-à-vis vom Schauspiel. Unter dem Titel "Jeden Tag ein neues Abenteuer" präsentiert PROVINZ eine Auswahl von Editionen, die 2016/17 erschienen sind. Ihnen gemeinsam, so Provinz "ist die Offenlegung einer bestimmten Poesie im Alltäglichen." 


Betrachtet man die hier gezeigte Fotografie des Polke Schülers Achim Duchow, scheint es sich um eine fast biedermeierliche Poesie der 1970er-BRD zu handeln. Und der für den abgebildeten Kraftwagen verantwortliche Autokonzern wäre wohl froh, wenn er das Motiv für sich nutzen könnte. Seine neueren, der selbstverschul- deten Krise geschuldeten feel-good-Werbemotive, wie man heute auf Neudeutsch sagt, sind meilenweit von der Qualität der Duchowschen Arbeit entfernt.

Kunst ist... von der sagenhaften Macht des Zufalls... 
 
Diese ungeheuerliche Harmonie in der vermeintlichen Komposition. Die Körper biegen sich, schmiegen sich sanft, leicht gekrümmt scheinbar parallel zu den Kurven des Kraftwagens - wie von wahrer Meisterhand inszeniert. Und doch ist es ein nur Schnappschuss... Aber wie formulierte der begnadete Jean-Christophe Ammann in einem Katalog einst so treffend? Sinngemäß in etwa das Folgende: Wenn dem Kunstwerk im rechten Moment der Zufall beispringt, dann kann ein echtes Meisterwerk entstehen...

Jetzt aber zurück in die Provinz, den PROVINZ Editionen und deren Poesie. Letztere zeigt sich, so die Provinzler, auch "in den Schnittblumen, gemalt auf Papier von Hans-Jörg Mayer (*1955, Berlin), der Farbfotografie eines verwunschenen Flurfenster von Julia Hübner (*1965, Wuppertal, Meisterschülerin von Gerhard Richter).

Oder auch in einem Relief aus handelsüblichen Kacheln, 'geadelt' von Judith Hopf (*1969, Berlin, Städel-Professorin und Documenta-Teilnehmerin) wie in den Skulpturen, die einen Schreibtischlampenklassiker adaptieren von Stefan Kern (*1966, Hamburg, aktueller Edwin-Scharff-Kunstpreisträger) oder in den empathisch-realistischen Fotografien, die hier titelgebend sind, von Achim Duchow (1948 – 1993, Student und späterer enger Mitarbeiter von Sigmar Polke)."

Wir sagen "kaufen, kaufen kaufen, denn günstiger geht nicht" und beschließen den Beitrag nun mit den grundlegenden Hinweisen zur kommenden Ausstellung in Bochum.

PROVINZ-Editionen Schaufenster No. 5
Königsallee 16 (vis-a-vis vom Schauspielhaus) 44789 Bochum
Eröffnung: 9.6.2017, 19 Uhr
Öffnungszeiten im Rahmen der BoBiennale: Freitag, 9. Juni 19 – 24 Uhr, 

Samstag und Sonntag, 10./11. Juni 14 – 18 Uhr sowie nach Vereinbarung. 
Die Ausstellung ist Tag und Nacht noch bis Mitte Juli einsehbar.
  
Service
PROVINZ Editionen - Projekte
Büro Bochum - Dr. Stephan Strsembski
Joachimstr. 18 - 44789 Bochum
+49 (0) 177 5535002

Büro Berlin - Vera Gliem 
Teplitzer Str. 12 - 14193 Berlin
+49 (0) 172 2088902
mail@provinzeditionen.de   
 

Links
- die Website der Provinz-Editionen, hier
- kunstlich.com über die Provinz-Editionen Ausstellung in Recklinghausen - Jeder sollte in der Lage sein, Kunst zu kaufen - Punkt (12/2016), hier
- kunstlich.com über die Provinz-Editionen zu Gast bei vera Gliem (4/2013), hier

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Mittwoch, 31. Mai 2017

Münster vor den Skulptur Projekten: Gebt der Kunst die Würde zurück...

Ein unbekannter Künstler/Kritiker sendete uns diese Postkarte, eine Collage, Stift auf LWL-Postkarte © Lange Nacht der Museen, Foto Elisabeth Deiters-Keul.

Vor einem Jahr haben wir eine PKK (Postkartenkritik) zum LWL-Logo in Otto Pienes Werk 'Silberne Frequenz' erhalten, siehe hier. Wir haben recherchiert und entdeckten  Martin Schmidls aufschlussreichen Text über die fragwürdige Integration eines Logos in ein Kunstwerk. Jetzt startet in Münster erneut eine Initiative.

Geschickt, weil medienwirksam parallel zur nahenden Eröffnung der Skulptur Projekte platziert, hat die Initiave-No-Logo die folgende Pressemitteilung versandt:

'Gemeinsames Positionspapier: Freunde des Museums für Kunst und Kultur Münster e.V., Westfälischer Kunstverein, Initiative NO!LOGO - Münster, den 29. Mai 2017

Seit der Neueröffnung des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster prangt inmitten der neu konzipierten „Silbernen Frequenz“ des renommierten Zero-Künstlers Otto Piene dominant das Logo des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe in Form von riesigen Lettern aus blankem Edelstahl. 


Dem Museum und seinem Träger anvertraute Kunst wird damit der notwendige Respekt verweigert: faszinierende Lichtkunst wird zur profanen Lichtwerbeanlage für eine aus Steuermitteln finanzierte Körperschaft öffentlichen Rechts.
 

Kultur- und Denkmalpflege sind wichtige Aufgaben des Landschaftsverbandes. Auch als Träger der Skulptur Projekte Münster hat er mit großer Offenheit für experimentelle Kunstformen seit 1977 alle zehn Jahre die Skulptur Projekte Münster als international beachtetes „ästhetisches Selbsterfahrungsprogramm“ etabliert. 

Umso verstörender wirkt der eher provinziell anmutende Übergriff auf die Kunst im öffentlichen Raum – ausgerechnet an der Fassadedes Landesmuseums, dem „Hauptquartier“ der Skulptur Projekte Münster. Als Freunde des Museums fragen wir uns: Wem nutzt eigentlich das LWL-Logo in einem Kunstwerk? Wozu dient
dieser Eingriff in die Autonomie der Arbeit von Otto Piene? Geht es etwa um eine erhöhte Aufmerksamkeit für den Museumsträger? 


Wie Reaktionen im Kontext der Museumseröffnung vor drei Jahren zeigen, hat der LWL mit seinem „Eigenmarketing“ mediales Kopfschütteln statt Zustimmung ausgelöst. Im Feuilleton der renommierten FAZ war bundesweit nachzulesen: „Wer ein Kunstwerk derart entstellen und entwerten lässt, macht als Träger eines Museums keine souveräne Figur … Wie wäre es mit ‚Lieber wieder löschen!‘“ Oder ging es dem Museumsträger gar um eine ästhetische Aufwertung der Arbeit von Piene? 

So vermessen dürften selbst die Verantwortlichen in der Kulturverwaltung des Landschaftsverbandes nicht denken. Für einen öffentlichen Träger wie den Landschaftsverband ist es eine Frage der Diskussionskultur und des demokratischen Verständnisses, den Freunden und Förderern des Museums die Möglichkeit zu geben, die Risiken und Chancen dieser speziellen Form der „Logomanie“ mit dem Museumsträger und der Museumsleitung in einem größeren, kompetent besetzten Forum zu erörtern. 

Wir fordern den Landschaftsverband auf, dieses Thema gemeinsam mit uns in einem öffentlichen Symposium zu diskutieren und damit den zuständigen politischen Gremien des Landschaftsverbandes eine Entscheidungshilfe zu liefern. Die Skulptur Projekte 2017 wären dafür ein angemessener Rahmen.

Einen Dissens in der Sache kritisch zu erörtern, ist für uns Ausdruck der Loyalität unter Freunden. Die Kritik an dem LWL-Implantat in der Lichtskulptur von Otto Piene steht deshalb unserer grundsätzlichen Wertschätzung für die erfolgreiche Kulturarbeit des Landschaftsverbandes nicht im Wege. Das LWL-Logo ist allerdings – zumindest an dieser Stelle – ein Irrweg. Unser Ziel ist es deshalb, dem Kunstwerk von Otto Piene seine Würde zurückzugeben.'

TOBIAS VIEHOFF - Vorsitzender des Westfälischen Kunstvereins
DR. HARALD PAULUS - Sprecher der Initiative NO!LOGO
MATTHIAS LÜCKERTZ Vorsitzender der Freunde des Museums für Kunst und Kultur
 

Service und Links
- kunstlich über Museen als Repäsentationsmaschinen (4/2016), hier
- www. kunstlebt.org und www. initiative-no-logo.de
- Silberne Frequenz - Martin Schmidl über die Integration des LWL-Logos in Pienes Kunstwerk, hier
- Architekt Volker Staab über den LWL-Neubau, BAUWELT-Interview (Nr. 35/2014), hier 
- der LWL-blog zum Thema, hier
- eine LWL-Presseerklärung zum Abbau der Installation von Piene, 2009, hier 
- eine LWL-Presseerklärung zur Installation der Silbernen Frequenz, 2014, hier 
- die Haltener Zeitung über den Münsteraner Kunst-Konflikt am Bau, 28.5.2010, hier
- die Münstersche Zeitung über den Kunstkonflikt an der Fassade, 13.11.2014, hier
- der Streit und das Logo - Kunst oder Werbung - Westfälische Nachrichten, 13.11.2014, hier   
- retrospektiven über Piene und die Veränderung der Silbernen Frequenz, 14.6.2015, hier
- kritikmuenster über den LWL und Pienes Lichtinstallation, 10.6.2016, hier 


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Montag, 29. Mai 2017

Kunst macht viel Arbeit - S.M.ART consulting hilft...


Vorsicht! Eine riesige Nach- und Vorlass-Welle rollt auf uns, nun gut, zumindest auf recht viele Menschen und Institutionen der Bundesrepublik Deutschland zu. Denn die bis heute andauernde, ungewöhnlich lange Friedens- und Wohlstandsphase der BRD ruft ein in der jüngeren Geschichte recht einzigartiges Phänomen hervor: Noch nie wurde so viel Kunst produziert, nie zuvor musste so viel Kunst vererbt, gestiftet oder gespendet werden. 

Was nun? Wer keinen Überblick über seine Sammlung hat, sollte sich schnell einen solchen verschaffen. Denn die Erfassung bzw. Dokumentation bestimmt den Wert wesentlich mit. Genau hier setzt das Angebot von S.M.ART consulting an, das wir im Folgenden und in den kommenden Wochen etwas detaillierter vorstellen werden.

Zum Thema Überblick, oder etwas seriöser formuliert Bestanderfassung äußert sich S.M.ART consulting wie folgt: 

'Nachlässe und Kunstsammlungen sind wie Menschen: einzigartig, über Jahre gewachsen und selten perfekt. Deshalb stellen wir uns ganz auf Ihre Sammlung ein. Wir fokussieren Ihre Ziele und Wünsche, um die wissenschaftliche Erfassung, das Wachstum und die Pflege Ihrer Bestände nachhaltig zu organisieren. Internationale Standards bieten Orientierung, verlässliche Bedarfs- und Kostenpläne sind grundlegende Faktoren.'

Mehr Informationen unter www.s-m-art-consulting.de und in Kürze an dieser Stelle.